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Einleitung
Nahrung, die aller vorkapitalistischen Wirtschaftsgestaltungihr Gepräge verleiht.
Die Idee der Nahrung ist in den Wäldern Europas vonden sich seßhaft machenden Stämmen der jungen Völker ge-boren worden. Es ist der Gedanke, daß jede Bauernfamilieso viel Äofland, so viel Ackerland, so viel Anteil an der Gemeinde-weide und dem Gemeindewalde erhalten soll, wie sie zu ihremUnterhalte benötigt. Dieser Komplex von Produktionsgelegen-heiten und Produktionsmitteln war die altdeutsche Äufe, die imgermanischen Gewanndorfe ihre vollendete Ausbildung er-fahren hat, aber doch auch in allen Ansiedlungen der keltischenund slawischen Völker ihrer Grundidee nach sich wiederfindet.Das heißt also: Art und Amfang der einzelnen Wirtschaftwerden bestimmt durch die Art und den Amfang des als gegebenangenommenen Bedarfs. Aller Zweck des Wirtschaftet istdie Befriedigung dieses Bedarfs. Die Wirtschaft untersteht,wie ich es genannt habe, dem Bedarfsdeckungsprinzip.
Aus dem bäuerlichen Anschauungskreise ist dann die Ideeder Nahrung auf die gewerbliche Produktion, auf Äandel undVerkehr übertragen worden und hat hier die Geister beherrscht,solange diese Wirtschaftssphären handwerksmäßig organisiertwaren.
Will man die Grundidee erkennen, von der alles handwerks-mäßige Denken und Wollen bestimmt wird, so muß man sichdas System des handwerksmäßigen Schaffens als die Über-tragung der Kufenverfassung auf gewerbliche und kommerzielleVerhältnisse vorstellen. Bis ins einzelne läßt sich die Analogieverfolgen, die zwischen einer bäuerlichen Äufnergemeinde undeiner in einer Zunft geeinten Korporation von Handwerkernobwaltet. Beide gehen von einer gegebenen Größe des zu be-friedigenden Bedarfs und damit der zu vollbringenden Arbeitaus, beide sind orientiert unter dem Gesichtspunkte der Nahrung.