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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Einleitung

mehr sei es zu allen Zeitenin der Natur des Menschen" ge-legen gewesen, so viel wie möglich zu verdienen, so reich wiemöglich zu werden. Ich bestreite das heute noch ebenso ent-schieden wie früher und behaupte heute dezidierter denn je, daßdas Wirtschaftsleben in der Tat im vorkapitalistischen Zeitalterunter dem Bedarfsdeckungsprinzip gestanden hat, daß Bauerund Handwerker ihre Nahrung und nichts weiter mit ihrernormalen wirtschaftlichen Tätigkeit gesucht haben. Die gegendiese meine Auffassung erhobenen Einwände, soweit man sieüberhaupt zu begründen versucht hat, sind vornehmlich zwei,die aber beide nicht stichhaltig sind:

1. Es hätten immer einzelne Handwerker über den RahmenderNahrung" hinausgestrebt, hätten ihre Geschäfte erweitertund hätten mit ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit Gewinn erjagt.Das ist richtig. Beweist aber nur, daß es Ausnahmen vonder Regel stets gibt, und diese Ausnahmen bestätigen auch hierdie Regel. Der Leser erinnere sich dessen, was ich über denBegriff desVorherrschens" eines bestimmten Geistes gesagthabe. Niemals hat nur ein Geist geherrscht.

2. Die Geschichte des europäischen Mittelalters lehre uns,daß zu allen Zeiten in weiten Kreisen auch des wirtschaftendenVolks eine starke Geldsucht geherrscht habe. Auch das gebe ichzu. Llnd ich werde im weiteren Verlauf dieser Darstellung vondieser wachsenden Geldsucht selbst zu reden haben. Aber ichbehaupte, sie habe den Geist des vorkapitalistischen Wirtschafts-lebens in seinen Grundlagen nicht zu erschüttern vermocht Esist vielmehr gerade wieder ein Beweis für den allem Gewinn-streben abgekehrten Geist der vorkapitalistischen Wirtschaft, daßsich alle Erwerbslust, alle Geldgier außerhalbdes Nexus der Güterproduktion, des Gütertrans-ports und sogar zum großen Teil auch des Güter-handels zu befriedigen trachtet. Man läuft in die