Zweites Kapitel: Die vorkapitalistische Wirtschaftsgesinnung 17
Bergwerke, man gräbt nach Schätzen, man treibt Alchimie undallerhand Zauberkünste, um Geld zu erlangen, weil manes im Nahmen der Alltagswirtschaft nicht erwerben kann.Aristoteles , der am tiefsten das Wesen der vorkapitalistischenWirtschaft erkannt hat, sieht deshalb durchaus sachgemäß denGelderwerb über den naturalen Bedarf hinaus als nicht zurwirtschaftlichen Tätigkeit gehörig an. Ebensowenig dient derReichtum an barem Gelde wirtschaftlichen Zwecken: für dennötigen Unterhalt sorgt vielmehr der mxo?, sondern er istnur zu außerwirtschaftlicher, „unsittlicher" Verwendung geeignet.Alle Wirtschaft hat Maß und Grenzen, der Gelderwerb nicht.(Pol. l.ib. I.)
Fragen wir nun, in welchem Geiste gemäß diesen Leitsätzendie Wirtschaftsführung der Bauern und Handwerker sich ge-staltet, so genügt es, daß wir uns vergegenwärtigen, wer dieWirtschaftssubjekte waren, die alle vorkommende Arbeit: dieleitende, organisierende, disponierende und ausführende selbstvornahmen oder durch wenige Hilfskräfte vornehmen ließen. Essind einfache Durchschnittsmenschen mit starkem Triebleben, starkentwickelten Gefühls- und Gemütseigenschaften und ebenso ge-ring entfalteten intellektuellen Kräften. AnVollkommenheitenim Denken, mangelnde geistige Energie, mangelnde geistigeDisziplin begegnen uns bei den Menschen jener Zeit nichtnur auf dem Lande, sondern auch in den Städten, die langeJahrhunderte hindurch noch große, organisch gewachsene Dörfersind.
Es waren dieselben Menschen, deren gering entwickelten In-tellektualismus wir auch auf anderen Kulturgebieten beobachten.So bemerkt einmal Keutgen sehr feinsinnig von der Art derRechtserzeugung im Mittelalter: „Es handelt sich nur umeinen Mangel an geistiger Energie, der sich bei unseren älterenRechtsaufzeichnungen häufig erkennen läßt, die von an intensive
Sombart, Der Bourgeois 2