Zweites Kapitel: Die vorkapitalistische Wirtschaftsgesinnung 21
Ebenso wie bei dem Tempo der Arbeit ist auch bei derZusammenstellung der einzelnen Arbeitsverrichtungen zu einemBerufe die menschliche Natur mit ihren Anforderungen alleinmaßgebend: mensura omnium rerum liomo gilt auch hier.
Dieser höchstpersönlichen Art der Wirtschaftsführung ent-spricht nun ihr Empirismus, oder wie man es neuerdingsgenannt hat, ihr Traditionalismus. Empirisch, traditio-nalistisch wird gewirtschaftet; das heißt: so wie man esüberkommen hat, so wie man gelernt hat, so wie man es ge-wohnt ist. Man blickt bei dem Entscheide über eine Vor-nahme oder Maßregel nicht zuerst nach vorn, nach dem Zwecke,fragt nicht ausschließlich nach ihrer Zweckmäßigkeit, sondernschaut nach hinten, nach den Vorbildern und Mustern undErfahrungen.
Wir müssen uns vergegenwärtigen, daß dieses traditio-nalistische Verhalten durchaus das Verhalten aller natürlichenMenschen ist, daß es auf allen Kulturgebieten in der früherenZeit des menschlichen Daseins durchaus vorgeherrscht hat ausGründen, die in der Natur des Menschen selbst zu suchen sind,und die alle letztlich in der starken Tendenz der menschlichenSeele zur Beharrung wurzeln.
Von unserer Geburt an, vielleicht schon vorher, werdenwir von unserer Amgebung, die uns als geeignete Autoritätgegenübersteht, in eine bestimmte Richtung des Könnens undWollens hineingedrängt: alle Mitteilungen, Lehren, Handlungen,Gefühle, Anschauungen der Eltern und Lehrer werden von unszunächst ohne weiteres angenommen. „Je unentwickelter einMensch ist, desto stärker ist er dieser Gewalt des Vorbilds,der Tradition, der Autorität und der Suggestion unterworfen"
Zu dieser Macht der Überlieferung gesellt sich nun imweiteren Verlauf des menschlichen Lebens eine zweite ebensostarke: die Macht der Gewohnheit, die den Menschen immer