Drittes Kapitel: Die Gier nach Gold und Geld
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„Spricht von der Sparsamkeit, Verschwendung.Sie verwirft die Verachtung des Geldes einiger stoischenund cynischen Philosophen;Mildgebigkeit;
befördert die Demut, Großmut und Courage;
reizt zur Beständigkeit;
breitet die christliche Lehre aus;
die Geldsucht hilft zur ewigen Seligkeit;
ist keine Ketzerin, sondern eine reine Lutheranerin;
wird eine Göttin."
Sie schließt ihr Gedicht mit einem begeisterten „Lob desGeldes". (V. 3932 ff.)
In den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts erlebtedann die französische und englische Welt (was Kolland schoneinmal in den Iahren 1634 durchgemacht hatte) jenen erstenkrankhaften Geldrauschzustand, der seitdem immer von Zeit zuZeit wieder aufgetreten ist, wenn auch vielleicht nie wieder insolcher elementaren Stärke, und der den gesamten Volkskörperso sehr durchdrungen hat, daß nun eine allgemeine Geldsuchtals eine konstitutive Eigenschaft der Seele des modernenMenschen betrachtet werden darf. Ich will aber jene vulkanischenAusbrüche des Geldfiebers, wie sie Kolland bei Gelegenheitder Tulpenmanie, Frankreich in der Law-Epoche, England inder Bubbles-Zeit erlebten, im Zusammenhange mit den damalsbeliebten Mitteln zur Geldbeschaffung: dem Börsenspiel, schildernund versuche nunmehr erst im Zusammenhange die Frage zubeantworten, welche Machenschaften die Menschen ersannen,um das ersehnte und ergierte Geld in ihren Besitz zu bringen.Wir werden insbesondere zu untersuchen haben, welche davonbeim Aufbau der kapitalistischen Wirtschaftsgesinnung mit-geholfen habe, welche als tote Äste abzusterben bestimmt waren.