Druckschrift 
Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
Seite
47
Einzelbild herunterladen
 

Viertes Kapitel: Allerhand Mittel zur Geldbeschaffung 47

Kollers,tne moniecl mlerest" in England , wo ihre Zahl umdie Mitte des 18. Jahrhunderts auf 17000 geschätzt wurde.

In all den Praktiken dagegen, die ich nunmehr noch nam-haft machen will, stecken Ansätze, Keime, Entwicklungsmöglich-keiten kapitalistischer Unternehmungen. Deshalb müssen wiruns näher mit ihnen vertraut machen. Am die mannigfachenErwerbsarten, die hier in Frage kommen, in unserem Geistezu einer gewissen Ordnung zusammenzufügen, will ich sie unter-scheiden, je nachdem bei ihnen

Gewaltmittel oder

Zaubermittel oder

Geistesmittel (Erfindungsgabe) oder

Geldmittelvornehmlich zur Verwendung gelangen.

I. Erwerb durch Gewaltmittel

An was ich hierbei denke, sind nicht sowohl die Machen-schaften der Obrigkeiten, sich durch Amlagen und Steuern allerArt Mittel zu beschaffen, als es vielmehr eine Erwerbsart ist,die jahrhundertelang in den ritterlichen Kreisen beliebt war undin Ansehen stand; ich meine den Straßenraub. Daß dieserin vielen Ländern, namentlich in Deutschland , aber auch inFrankreich und England während des Mittelalters und darüberhinaus eine soziale Institution und keine gelegentliche Extra-vaganz war, lehren uns die zahlreichen Quellen, aus denen wirunsere Kenntnis schöpfen können. Ich will nur ein paar Belegeanführen:

Damals stund's in Deutschland ", schreibt Zorn in seinerWormser Chronik (14. Jahrhundert),und fürnehmlich amRhein also, daß wer der stärkste war, der schob den andern inden Sack, wie er konnt und möchte: die Reuter und Edelleutenährten sich aus dem Stegreif, mordeten, wen sie konnten, ver-