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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Zweiter Abschnitt: Der Bürgergeist

schäftsleuten und Männern, die jedenfalls mit dem Geschäfts-leben jener Zeit vertraut waren (und wer wäre das in demNewyork des Quattrocento nicht gewesen!), haben ihre An-schauungen in wertvollen Memoirenwerken oder Erbauungs-schriften niedergelegt, aus denen uns in vollendeter Deutlichkeitdas Bild Benjamin Franklins , dieses fleischgewordenen Bürger-prinzips, entgegentritt. Was man vielfach erst im 17. und18. Jahrhundert entstehen sah: die Grundsätze einer wohl-geordneten bürgerlichen Existenz mit allen Merkmalen einerausgeprägten Parvificentia und Wohlanständigkeit: das bildetschon ums Jahr 1450 in den Seelen der Florentiner Wollhändlerund Geldwechsler die Lebenssubstanz.

Der vollendete Typus desBürgers" während des Quattro-cento: der, dessen Schriften auch die wertvollste Quelle für unsbilden, um uns ein Arteil über den Geisteszustand jenerfrühesten Epoche bürgerlicher Weltanschauung zu bilden, istL- B. Alberti. Von ihm stammen die berühmten Bücherüber das Familienregiment (Oel Aoverno äella famiAlia), indenen in der Tat schon alles steht, was D efoe und BenjaminFr an kl in nachher auf englisch gesagt haben. Die Familien-bücher Albertis sind aber vor allem auch deshalb als Quellefür uns unschätzbar, weil wir wissen, daß sie schon zu ihrerZeit bewundert und viel gelesen wurden, daß sie schon baldnach ihrem Erscheinen als klassisches Traktat galten, das andereÄausväter teils wörtlich, teils im Auszuge in ihre Chronikenund Memoiren herübernahmen.

Wir sind deshalb wohl zu dem Schlüsse berechtigt, daß dieAnsichten, die Alberti in seinen Familienbüchern vorträgt(obwohl diese Lehr- und Erbauungsschriften sind), doch schon inweiten Kreisen geteilt wurden und schon eine Art von allgemeinemZeitgeist, der natürlich nur innerhalb der Geschäftswelt ver-breitet war, darstellen.