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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Achtes Kapitel: Die bürgerlichen Tugenden

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Ich gebe deshalb im folgenden die Ansichten und MeinungenAlbertis in ihren Grundzügen wieder und ziehe die Äußerungenanderer Männer aus jener Zeit nur hier und da zur Er-gänzung heran. Beschränken werde ich mich natürlich aufdiejenigen Teile seiner Schriften, in denen er über seine Stellungzum Wirtschaftsleben sich äußert, während seine übrigen Lebens-anschauungen nur insoweit für uns in Betracht kommen, alssie für die Herausbildung der besonderen Wirischafts-gesinnung Bedeutung haben.

Zwei Gruppen von Ansichten kommen für uns hauptsächlichin Betracht: diejenigen, die sich auf die innere Ausgestaltungder Wirtschaft beziehen, und diejenigen, die die Beziehungender Wirtschaftssubjekte zur Kundschaft insbesondere und zu derAußenwelt im allgemeinen zu regeln bestimmt sind. Den erstenKomplex von Sätzen fasse ich (aus alsobald ersichtlichem Grunde)unter der Bezeichnung derheiligen Wirtschaftlichkeit", denzweiten unter dem RubrumGeschäftsmoral" zusammen.

1. Die heilige Wirtschaftlichkeit

Äeilig" nennt Alb erti die Wirtschaftlichkeit oder die guteWirtschaftsführung, oder wie man sonstmAsseri^is" übersetzenwill: »Lancia cc>8a la M388eri?>3« iS- 151). Was versteht erunter dieser M3ssen?i3? Er gibt an verschiedenen Stellen eineErklärung ab, die aber nicht alle übereinstimmen. Fassen wirden Begriff im weitesten Verstände auf, so daß er alle Wirt-schaftsregeln, die Alberti den Seinen verkündet, in sich begreift,so bekommen wir etwa folgenden Sinn.

Zu einer guten Wirtschaft gehört:

1. die Nationalisierung der Wirtschaftsführung.Ein guter Wirt bedenkt die Wirtschaftsführung: »Is sollecitu-ciine e cura cielle cose, cioe la massen?ia< (S. 133). Das be-deutet im einzelnen zunächst einmal, daß er die Vorgänge des