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Zweiter Abschnitt: Der Bürgergeist
Wirtschaftlichen die Schwelle seines Bewußtseins überschreitenläßt; daß er sich um wirtschaftliche Probleme kümmert; daß erihnen sein Interesse zuwendet; daß er sich nicht schämt, vonihnen zu reden wie von etwas Schmutzigem; daß er sich sogarseiner wirtschaftlichen Taten rühmt. Das war etwas unerhörtNeues. And zwar deshalb, weil es Reiche, Große waren, dienun so dachten. Daß sich der kleine Packenträger immer umseine Groschen gemüht hatte, und daß sich der kleine Ladeninhabereinen großen Teil seines Lebens mit der Bedenkung von Ein-nahme und Ausgabe gemüht hatte: das versteht sich von selbst.Aber der Reiche, der Große! Der Mann, der so viel undmehr zu verzehren hatte wie die LeiAneurs von ehedem: auchder machte die Probleme der Wirtschaftsführung zum Gegen-stande seines Nachdenkens!
Ich sage mit Bedacht: die Probleme der Wirtschafts-führung: andere Probleme, die in den Bereich des Wirt-schaftlichen hineinragen, waren auch früher schon rationalisiertworden: wir sahen schon, daß in jeder Unternehmung größerenStils ein wohldurchdachter Plan zu seiner vollen Durchführunggelangt, was ohne gründliche Durchdenkung, ohne weitsichtigeInbeziehungsetzung von Zwecken und Mitteln, kurz ohne gründ-liche Rationalisierung nicht möglich ist. Aber nun galt es vorallem die Wirtschaftsführung zu rationalisieren, worunter ichim wesentlichen verstehe: die Herstellung eines vernünftigenVerhältnisses zwischen Einnahmen und Ausgaben, also eine be-sondere Äaushaltungskunst.
Das Problem stellen, hieß aber alsogleich, es in einem ganzbestimmten Sinne lösen; dieser Sinn, diese neue Auffassungvon guter Wirtschaftsführung konnte zunächst gar nichts anderesbedeuten, als eine grundsätzliche Verwerfung allerMaximen seigneurialer Lebens gestaltung. DieWirtschaft des Seigneurs war, wie wir sahen, eine Ausgabe-