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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Achtes Kapitel: Die bürgerlichen Tugenden

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wirtschaft gewesen: soundso viel brauchte er zum standesgemäßenUnterhalt oder auch verschwendete und vergeudete er: folglichmußte er soundsoviel einnehmen. Diese Ausgabewirtschaftwird nun in eine Einnahmewirtschaft verkehrt. Die obersteRegel, mit der Alberti das dritte, die Wirtschaftsphilosophieenthaltende Buch seines Traktates zusammenfassend schließt,die letzten Worte in Pandolfinis Schrift überhaupt, das Aund O aller guten Äaushaltungskunst, das Credo jedes bravenBürgers", der Wahrspruch der neuen, jetzt heraufdämmerndenZeit, die Quintessenz der Weltanschauung aller tüchtigen Leute:das ist in dem Satze zusammengefaßt^):

Behaltet dieses im Gedächtnis, meine Söhne:niemals laßt Eure Ausgaben größer als EureEinnahmen sein."

Mit diesem Satze war das Fundamentum der bürgerlich-kapitalistischen Wirtschaftsführung gelegt. Denn mit der Be-folgung dieses Satzes war die Rationalisierung zu einer

2. Ökonomisierung der Wirtschaftsführung ge-worden. Nicht zwangsweise, sondern freiwillig: denn dieseÖkonomisierung bezog sich nicht auf die Iammerwirtschaften derkleinen Leute, woSchmalhans Küchenmeister" von GottesGnaden ist, sondern wiederum auf die Reichen. Das war dasAnerhörte, das Neue: daß jemand die Mittel hatte und sie dochzu Rate hielt. Denn alsbald kam zu jenem Grundsatz: nichtmehr auszugeben als einzunehmen, der höhere hinzu: wenigerauszugeben als einzunehmen: zu sparen. Die Idee desSparens trat in die Welt! Abermals nicht des er-zwungenen, sondern des selbst gewellten Sparens, des Sparensnicht als einer Not, sondern des Sparens als einer Tugend.Der sparsame Wirt wird nun das Ideal selbst der Reichen,soweit sie Bürger geworden waren. And ein Giovanni Ruccellai ,ein Mann, der Äunderttausende im Vermögen hatte, macht sich