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Zweiter Abschnitt: Der Bürgergeist
den Ausspruch eines Landsmanns zu eigen, der gesagt hatte:„Es habe ihm ein Groschen, den er gespart habe, mehr Ehregemacht als hundert, die er ausgegeben habe" "^). Nicht dasseigneuriale Auftreten ehrt den tüchtigen Mann, sondern daßer Ordnung in seiner Wirtschaft hält^"). Sparsamkeit wirdnun so sehr geachtet, sie wird so sehr zur wirtschaftlichen Tugendschlechthin erhoben, daß der Begriff der »NasseriÄA«, also derWirtschaftlichkeit, oft geradezu mit dem der Sparsamkeit gleich-gesetzt wird. Ein paar Stellen aus Albertis Familienbüchernwerden zeigen, welche zentrale Bedeutung man jetzt der Spar-samkeit beimaß.
Vor allem wird nun der Gedanke in tausend Wendungenimmer wieder ausgesprochen: reich wird man nicht nur dadurch,daß man viel erwirbt, sondern ebenso dadurch, daß man wenigausgibt; arm umgekehrt dadurch, daß man verschwendet^)(immer mit dem Hinblick auf die verschwenderischen Seigneurs):„wie vor einem Todfeind, hüte man sich vor überflüssigen Aus-gaben"; „jede Ausgabe, die nicht unbedingt notwendig (molwneLessarm) ist, kann nur aus Verrücktheit gemacht werden (ciapg^lg)"; „ein so schlechtes Ding die Verschwendung ist, sogut, nützlich und lobenswert ist die Sparsamkeit"; „die Spar-samkeit schadet niemand, sie nützt der Familie"; „heilig ist dieSparsamkeit". „Weißt du, welche Leute mir am besten ge-fallen? Diejenigen, die nur für das Nötigste ihr Geld ausgebenund nicht mehr; den Überschuß heben sie auf; diese nenne ichsparsam, gute Wirte (massai)"«)."
Ein anderes Mal äußert sich der Meister über den »^ssssio«so: »^wsssi«, also sagen wir: „gute Wirte sind diejenigen, dieMaß zwischen einem Zuviel und einem Zuwenig halten;Frage: aber wie erkennt man, was zu viel, was wenig ist?Antwort: leicht mit einem Maßstab (misurg; Pandolfini,54 hat hier das Wort ^a^ione« eingesetzt) in der Äand;