Achtes Kapitel: Die bürgerlichen Tugenden
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Frage: ich möchte wissen, was das für ein Maß ist; Ant-wort: das ist leicht gesagt: keine Ausgabe darf größer sein,als es absolut notwendig ist (cne äimsnäi la necegsitk) undnicht kleiner sein, als es die Wohlanständigkeit (onesta) vor-schreibt"
Alberti entwirft auch ein Schema für die Rangordnungder verschiedenen Ausgaben:
1. Die Ausgaben für Nahrung und Kleidung: sie sindnotwendig;
2. andere Ausgaben; von diesen sind:
a) einige auch notwendig; das sind diejenigen, die, wenn sienicht gemacht werden, dem Ansehen, dem Renommee derFamilie schaden; es sind die Ausgaben für Unterhaltungdes Kaufes, des Landsitzes und des Geschäftshauses inder Stadt (botte^a);
b) andere, die man zwar nicht zu machen braucht, die aberdoch nicht eigentlich verwerflich sind: macht man sie, er-freut man sich, macht man sie nicht, erleidet man keinenSchaden: dahin gehören Ausgaben für Gespanne, fürBücher, für Bemalen der Loggia usw.;
c) endlich gibt es Ausgaben, die durchaus verwerflich, dieverrückt (pa??e) sind: das sind die zum Unterhalt vonMenschen, zur Ernährung einer Klientel (wiederum dieverhaltene Wut gegen alles seigneuriale Wesen: solcheGefolgschaften sind schlimmer als wilde Bestien!)^).
Die notwendigen Ausgaben soll man so schnell wie möglichmachen; die nicht notwendigen soll man so lange wie möglichhinausschieben. Warum, fragen die Schüler den Meister: wirmöchten deine Gründe hören, denn wir wissen: du tustnichts ohne reiflichste Überlegung (nulla tÄe sen?soptims ra^ione). Darum, antwortet Gianozzo: weil mir die