Neuntes Kapitel: Die Rechenhaftigkeit
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Ich habe bereits in meinem „Modernen Kapitalismus" denWerdegang der Rechenhaftigkeit seit dem Mittelalter skizziertund begnüge mich deshalb hier mit einigen wenigen Hinweisen,die des Zusammenhanges wegen hier Platz finden sollen. Einigeneuere Feststellungen werden das, was ich früher ausgeführthabe, ergänzen"").
Die Wiege auch des kaufmännischen Rechnens ist Italien ;genauer gesprochen: Florenz : mit dem l-iber ^bbaci desLeonardo Pisano , das 1202 erschien, wird die Grundlage fürdie korrekte Kalkulation gelegt- Aber doch erst die Grundlage.Ein genaues Rechnen mußte nun erst langsam erlernt werden.Im 13. Jahrhundert bürgern sich in Italien erst die arabischenZiffern mit Stellenwert ein, ohne die wir uns eine rasche undgenaue Kalkulation schwer vorstellen können. Noch 1299 wirdaber ihr Gebrauch den Mitgliedern der Calimala-Zunft ver-boten! Wie langsam selbst in Italien die Rechenkunst Fort-schritte machte, zeigt noch die Handschrift des IntrocZuctoriusüber qui et pulveris äicitui' in MAtnemsticam cksciplinsm ausder zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts, dessen Verfasserdurcheinander arabische Ziffern mit Stellenwert, römische Zahl-zeichen, Finger- und Gelenkzahlen benutzt.
Seit dem 14. Jahrhundert in Italien , seit dem 15. undnamentlich 16. Jahrhundert im Norden, verbreitet sich dann ebendie Rechenkunst rasch weiter. Es bürgert sich das Ziffernrechnenein und verdrängt allmählich das schwerfällige Rechnen auf derLinie, was einen großen Fortschritt bedeutete: „soviel Vortheilsein Fußgänger, der leichtfertig und mit keiner Last beladen ist,gegen einen, der unter einer schweren last stecket, hat, sovielVortheil hat auch ein Kunstrechner mit den Ziffern für einen mitden Linien", hatte schon der Rechenmeister Simon Jacobvon Koburg richtig erkannt.
Schon vor Tartaglia, dem mathematischen Genie des