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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Zwölftes Kapitel: Der Bourgeois alten Stils

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schaftsgesinnung der Zeit nicht mehr auf Herstellung guterGebrauchsgüter gerichtet gewesen sei. Der Einwand wäre aberunberechtigt. Die staatliche Kontrolle sollte doch nur die Ver-gehen einzelner weniger, gewissenloser Produzenten unmöglichmachen. Im allgemeinen war noch die Absicht vorhanden, guteund echte Waren zu liefern; die Absicht, die allein echtenHandwerk eigen ist, und die auch die frühkapitalistische Industriezum Teil übernommen hatte.

Wie langsam sich der rein-kapitalistische Grundsatz durch-setzte: daß allein der Tauschwert der Waren für den Anter-nehmer entschied, daß also das kapitalistische Interesse indifferentgegenüber der Gebrauchsgütereigenschaft sei, vermögen wir bei--spielsweise aus den Meinungskämpfen zu ersehen, die in Eng-land noch während des 18. Jahrhunderts deswegen ausgefochtenwurden. Offenbar stand Ios. Child, wie in so vielen Dingen,im Gegensatz zu der großen Mehrzahl seiner Zeitgenossen undwohl auch seiner Berufsgenossen, wenn er dafür eintrat, daß esder Einsicht des Anternehmers zu überlassen sei, welcher ArtWaren und von welcher Güte er sie auf den Markt bringenwolle. Wie seltsam mutet es uns heute an, wenn Child nochsür das Recht des Fabrikanten auf Schundwarenproduktionkämpft!Wenn wir", ruft er aus"^),den Weltmarkt erobernwollen, müssen wir es den Holländern nachahmen, die dieschlechteste Ware ebenso wie die beste produzieren, damit wir inden Stand gesetzt werden, alle Märkte und alle Geschmäckerzufrieden zu stellen."

Endlich scheint mir bezeichnend für den Geist, der den Bour-geois alten Stil beseelte,

4. seine Stellung zur Technik. Auch hier kehrt der-selbe Gedanke wie überall wieder: Fortschritte in der Techniksind nur wünschenswert, wenn sie kein Menschenglück zerstören.Die paar Pfennige, die sie das Produkt vielleicht verbilligen,

Sombart , Der Bourgeois 14