Druckschrift 
Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
Seite
213
Einzelbild herunterladen
 

Dreizehntes Kapitel: Der moderne Wirtschaftsmensch

213

tanischen Geist verkörpert zu sehen. Wenn wir ihn schon mitfrüheren Geschlechtern vergleichen wollen, dann müssen wir ihnden Renaissancemenschen zurechnen.

Welche andere Welt als die des Cecil Rhodes tst die, inder etwa ein Mann wie der Freiherr von Stumm oder einschlesischer Montanmagnat lebt. Da atmen wir noch die Luftder alten Grundherrschaften. Abhängigkeitsverhältnisse, hierar-chische Gliederung des Personals, etwas schwerfälliges Geschäfts-gebaren: das sind einige der Züge im Bilde solcher Unter-nehmungen, deren Leiter uns an die alten grundherrlich kapita-listischen Anternehmer erinnern.

And treffen wir nicht zahlreiche Unternehmer an, die uns eherwie Bureaukraten wie als Kaufleute oder Händler anmuten?Korrekt in ihrem Handeln, peinlich in ihrer Ordnung, wohl ab-gemessen in ihren Entschlüssen, mit starker Begabung für dasOrganisatorische, ohne starke draufgängerische Neigungen, vor-treffliche Verwaltungsbeamte, die heute Oberbürgermeister einerGroßstadt sind und morgen einer großen Bank vorstehen, dieheute noch ein Ressort in einem Ministerium unter sich habenund morgen die Leitung eines Syndikats übernehmen. Vonden Direktoren staatlicher und städtischer Werke und halböffent-licher Anternehmungen gar nicht zu reden, die doch in unsererZeit immer mehr an Bedeutung gewinnen.

And wie grundverschieden von allen den genannten Typenwiederum ist der Spekulant unserer Tage, der kaum in irgend-einem wesentlichen Punkte von dem Projektenmacher des 18. Jahr-hunderts sich unterscheidet. So ging unlängst von einem fran-zösischen Spekulanten folgende Nachricht durch die Blätter:Der Millionenschwindler Rochette ist kaum dreißig Jahre alt.Er war zuerst Pikkolo in einem Bahnhofsrestaurant, dannKellner in einem Kaffeehaus zu Melun . Er kam dann nachParis , lernte Buchhaltung und trat bei dem Finanzschwindler