Druckschrift 
Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
Seite
224
Einzelbild herunterladen
 

224 Vierter Abschnitt: Der Bourgeois einst und jetzt

Erfolg liegt also dasselbe Anendlichkeitsmoment eingeschlossenwie im Erwerbsstreben: beide ergänzen einander.

Am welche eigentümlichen Seelenvorgänge es sich bei der-artigen Wertverschiebungen, wie sie unsere Zeit vornimmt,handelt, zeigt vielleicht am deutlichsten die Stellung, die dermoderne Mensch dem Sport gegenüber einnimmt. An ihminteressiert ihn im wesentlichen nur noch die Frage: wer wirdin einem Wettkampf Sieger sein, wer vollbringt die meßbarhöchste Leistung? Eine reine Quantitätsbeziehung zwischen zweiLeistungen stellt die Wette her. Kann man sich denken, daßin einer griechischen Palästra gewettet wurde? Oder wäre diesauch nur denkbar bei einem spanischen Stiergefecht? Gewißnicht. Weil hier wie dort die höchstpersönliche Betätigungeinzelner Individuen künstlerisch das heißt eben rein quali-tativ, so daß eine Abschätzung nach Quantitäten nicht möglich ist gewertet wird und wurde.

2. Die Schnelligkeit irgendeines Geschehnisses, einerVornahme interessiert den modernen Menschen fast ebenso wiedie Massenhaftigkeit. Im Automobil mit100 Kilometer Ge-schwindigkeit" fahren: das schwebt recht eigentlich unserer Zeitals ein höchstes Ideal vor Augen. And wer sich nicht selbstim Fluge vorwärts bewegen kann, der erfreut sich an denZiffern, die er über irgendwelche irgendwo erreichte Schnellig-keiten liest: daß der Schnellzug zwischen Berlin und Hamburg wieder um zehn Minuten seine Fahrtzeit abgekürzt hat, daßder neueste Riesendampfer drei Stunden früher in Neuyorkangekommen ist; daß man jetzt die Briefe schon um ^2 8 stattum 8 bekommt; daß eine Zeitung eine (vielleicht falsche) Kriegs-nachricht schon am Nachmittag um 5 bringen konnte, währenddie Konkurrentin erst um 6 damit herauskam: all das interessiertdie merkwürdigen Menschen unserer Tage, all dem legen sieeine große Bedeutung bei.