Vierzehntes Kapitel: Das Problem
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der dazu gehörigen Seelenverfassung wohlausgestattete Homosapiens reagierte, als die ökonomischen und i!) gesellschaftlichenZustände jene Eigenschaften, die wir als kapitalistische Gesinnungbezeichnen, in ihm frei machten/'
Nichtig ist in diesen Auffassungen zweifellos die Bemerkung,daß die Anfänge irgendwelcher Seelenzustände „nicht in dasLicht der mit Llrkunden belegten Geschichte getaucht sind". Esheißt Anmögliches fordern, wenn die Historiker von uns den„quellenmäßigen" Nachweis etwa der Einwirkung, den derPuritanismus auf die Entfaltung des kapitalistischen Geistesausgeübt hat, verlangen^"). Davon kann natürlich keine Redesein. Am was es sich allein handeln kann, ist ungefähr das,was Feuchtwanger in der angeführten Stelle mit „höchstens"erreichbar bezeichnet, und was ich mit etwas anderen Wortenso umschreiben möchte: wir können feststellen, welche — natür-lichen oder sonstigen — Gegebenheiten bestimmte Äußerungendes Geistes lebendig gemacht haben können und wahrschein-lich lebendig gemacht haben. Bei welchen Feststellungen unsals Erkenntnisquelle im wesentlichen unser inneres, eigenesErlebnis zur Verfügung steht. Wir können ^ noch etwas ge-nauer — unterscheiden zwischen seelischen Veranlagungen,die wir als notwendige Voraussetzungen irgendwelcher Seelen-äußerung ansehen müssen und irgendwelchen äußeren Am-ständen oder Ereignissen, die aus diesen Veranlagungen be-stimmte Strebungen, Ansichten und Fertigkeiten haben zurBetätigung kommen lassen. Für solcherart Antersuchungenlassen sich sogar einige ganz sichere Regeln aufstellen, kraftderen wir zunächst in der Erkenntnis gefördert werden: waswir als Quelle einer bestimmten Wirtschaftsgesinnung nichtansehen dürfen. Es ist z. B. nicht statthaft, eine besonderevolkliche Veranlagung als Arsache (Bedingung) einer Seelen-Äußerung zu betrachten, die wir bei verschiedenen Völkern gleich-