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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Einleitung

mäßig beobachten; es geht nicht an, irgendeine ^Erscheinungdes kapitalistischen Geistes auf eine Quelle zurückzuführen, dieerst später aufspringt: Lebensansichten des 15. Jahrhundertskönnen ganz sicher nicht aus den religiösen Lehren des 17. Jahr-hunderts sich ableiten; eine Erscheinung kann ebensowenig auseiner Quelle entspringen, die notorisch niemals im Zusammen-hang mit ihr gestanden hat: kapitalistischer Geist in Deutsch-land des 19. Jahrhunderts darf nicht als Ausfluß puritanischeroder quäkerischer Religionsgesinnung betrachtet werden usw.

Für die richtige Deutung der Zusammenhänge ist es sodannaber notwendig, daß wir uns folgende Tatsachen klar zum Be-wußtsein bringen:

1. daß die Ableitung der einzelnen Bestandteile des kapita-listischen Geistes offenbar eine sehr verschiedene sein muß dankder Artverschiedenheit dieser Bestandteile selbst.Mich will es bedünken, als habe der Streit um unser Problemseine Ursache zum großen Teil darin, daß man nicht mit hin-reichender Deutlichkeit erkannt hat, wie grundsätzlich verschiedendie einzelnen Äußerungen des kapitalistischen Geistes ihrer Naturnach sind und wie grundsätzlich verschieden infolgedessen sich dieAufgabe gestaltet, je nachdem man die Quelle dieses oder jenesBestandteiles aufdecken will.

Was wir als Wesensart des kapitalistischen Geistes kennengelernt haben, sind nämlich entweder Seelenzustände, die außer-halb aller Bewußtheit sich abspielen: das, was wir alsTriebe"bezeichnen können, wenn es sich etwa um den Unternehmungs-geist in seinem ursprünglichen Verstände handelt, oder um dieErwerbssucht, um den Tätigkeitsdrang, die Raublust u. a.; dieman andrerseits als instinktmäßiges Äandeln, instinktive Begabungzu bezeichnen pflegt.

Daß dieseInstinkte" bei den erfolgreichen Unternehmernvon jeher eine große Rolle gespielt haben, wird von allen