Fünfzehntes Kapitel: Bourgeoisnaturen ZZg
Unternehmer und Künstler aus ganz verschiedenen Quellen ihreSeelen zu tränken. Jene sind zweckstrebig, diese zweckfeind; jeneintellektuell-voluntaristisch, diese gemütsvoll; jene hart, dieseweich und zart; jene weltkundig, diese weltenfremd; jene habendie Augen nach außen, diese nach innen gerichtet; jene kennendarum die Menschen, diese den Menschen.
Ebensowenig verwandt wie mit den Künstlern sind unsereAnternehmernaturen verwandt mit Handwerkern, Rentnern,Ästheten, Gelehrten, Genießern, Ethikern und Ähnlichem.
Wohingegen sie viele Züge gemeinsam mit Feldherren undStaatsmännern haben, die beide, zumal die Staatsmänner,letzten Endes ja auch Eroberer, Organisatoren und Händler sind.Während einzelne Begabungen des kapitalistischen Wirtschafts-subjektes sich wiederfinden in dem Wirken des Schachspielers unddes genialen Arztes. Die Kunst der Diagnose befähigt nicht nur.Kranke zu heilen, sondern ebensosehr glückliche Geschäfte ander Börse zum Abschluß zu bringen.
2. Bürgernaturen
Daß auch der Bürger im Blute steckt, daß ein Mensch vonNatur ein „Bürger" ist oder doch dazu neigt, es zu werden:das empfinden wir auf das deutlichste. Wir schmecken ganz deut-lich die Wesenheit der Bürgernatur, wir kennen das eigentüm-liche Aroma dieser Menschengattung ganz genau. And doch istes unendlich schwer, ja: ist es bei dem heutigen Stande derForschung vielleicht unmöglich, die besonderen „Anlagen", dieGrundzüge der Seele im einzelnen zu bezeichnen, die einenMenschen zum Bürger bestimmen. Wir werden uns daherdamit begnügen müssen, die eigentümliche Bürgernatur etwasgenauer zu umschreiben und sie vor allem in einen Gegensatz zustellen zu anders grundgefügten Naturen.
Es scheint fast, als ob der Anterschied zwischen dem Bürger
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