Fünfzehntes Kapitel: Bourgeoisnaturen
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die einen lassen nur diejenige Tätigkeit als vornehm und würdiggelten, die den Menschen als Persönlichkeit vornehm und würdigwerden läßt; die anderen erklären alle Beschäftigungen fürgleichwertig, wofern sie nur dem allgemeinen Besten zugutekommen, das heißt „nützlich" sind. Eine unendlich wichtigeAnterschiedlichkeit der Leb ens b etrachtung, dieKulturwelten voneinander trennt, je nachdem dieeine oder andere Auffassung vorherrscht. Die Alten wertetenpersönlich, wir Bürger sachlich. In wundervoll zugespitzterForm drückt Cicero seine Auffassung in den Worten aus:„nicht wieviel einer nützt, sondern was einer ist,fällt ins Gewicht"-").
Aber der Gegensätzlichkeiten gibt es immer noch mehr.Während die Anbürger lebend, schauend, bedenkend durch dieWelt gehen, müssen die Bürger ordnen, erziehen, unterweisen.Jene träumen, diese rechnen. Der kleine Nockefeller galt schonals Kind für einen gewiegten Rechner. Mit seinem Vater— einem Arzt in Cleveland — machte er regelrechte Geschäfte.„Seit frühester Kindheit", erzählt er selbst in seinen Memoiren,„führte ich ein kleines Buch (ich nannte es .Kontobuch' undhabe es bis heute aufgehoben), in das ich regelmäßig meineEinnahmen und Ausgaben eintrug." Das mußte im Blutestecken. Keine Macht der Erde hätte den jungen Byron oderden jungen Anselm Feuerbach dazu vermocht, ein solches Konto-buch zu führen und — aufzuheben.
Jene singen und klingen; diese sind tonlos: in der Wesen-heit selbst, aber auch in der Äußerung; jene sind farbig, diesefarblos.
Künstler (der Veranlagung, nicht dem Berufe nach): dieeinen; Beamte: die anderen. Auf Seide gearbeitet jene — aufWolle diese.
Wilhelm Meister und sein Freund Werner: jener redet wie