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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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262 Erster Abschnitt: Die biologischen Grundlagen

einer,der Königreiche verschenkt"; dieser,wie es einer Persongeziemt, die eine Stecknadel aufhebt." Tafso und Antonio.

Es drängt sich uns nun aber wie von selbst die Wahr-nehmung auf, daß die Unterschiedlichkeit dieser beiden Grund-typen in der letzten Tiefe auf einer Gegensätzlichkeit ihresLiebeslebens beruhen muß. Denn offenbar wird von diesemdas gesamte Gehaben des Menschen wie von einer höchsten,unsichtbaren Gewalt bestimmt. Die polaren Gegensätze in derWelt sind die bürgerliche und die erotische Natur.

Was eineerotische Natur" sei, wird man wiederum nurmit dem Gefühle wahrnehmen, wird man immer erleben, aberkaum in Begriffe fassen können. Vielleicht, daß das Dichter-wort es uns sagt: eineerotische Natur" ist der Pater seraticus,der jauchzend ausruft:

Ewiger Wonnebrand,Glühendes Liebeband,Siedender Schmerz der Brust,Schäumende Götterlust.Pfeile, durchdringet mich,Keulen, zerschmettert mich.Blitze, durchwettert mich,Daß ja das NichtigeAlles verflüchtigeGlänze der DauersternEwiger Liebe Kern . . ."

Daß ja das Nichtige alles verflüchtige . . .

Ich litt und liebte, das war die eigentliche Gestalt meinesKerzens."

Alles in der Welt ist nichtig, außer der Liebe. Es gibt nureinen dauernden Lebenswert: die Liebe.

Im Kern: die geschlechtliche Liebe, in ihren Ausstrahlungenalle Liebe: Gottesliebe, Menschenliebe «nicht etwa: Liebe zur