Druckschrift 
Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
Seite
264
Einzelbild herunterladen
 

264

Erster Abschnitt: Die biologischen Grundlagen

äußern diesen Gegensatz die alten Ökonomiker. So meintXenophon z. B.-"):

Zudem sehe ich, daß du dir einbildest, reich zu sein, daß dugleichgültig bist gegen den Erwerb und Liebesgeschichten imKopfe hast, als ob du dir das so leisten könntest. Drum tustdu mir leid, und ich fürchte, daß es dir noch recht schlecht gehtund du in arge Verlegenheit gerätst."

Zur Wirtschafterin machten wir auf Grund eingehenderPrüfung diejenige Person, die uns am meisten Maß halten zukönnen schien mit Rücksicht auf Essen, Trinken, Schlafen undLieben."

Antauglich zur Wirtschaftlichkeit sind die Verliebten."

Einen ganz ähnlichen Gedanken spricht der römische Land-wirtschaftsschriftsteller Columella aus, wenn er seinem Wirterät:Kalte dich von Liebesgeschichten fern: wer sich denen er-gibt, der kann an nichts anderes denken. Für ihn gibt es nureinen Preis: die Erfüllung seiner Liebessehnsucht; nur eineStrafe: wenn er unglücklich liebt" ^"). Eine gute Wirtschafterindarf keine Gedanken an Männer haben, sie muß »a virisremotissima« sein.

Das alles konnte und sollte hier nur angedeutet werden.Eingehende Untersuchungen werden tiefere und breitere Erkennt-nis zutage fördern. Ich wollte den Gedanken nicht un-ausgesprochen lassen, daß zuletzt doch die Begabung zum Kapita-lismus in der geschlechtlichen Konstitution wurzelt, und daß dasProblemLiebe und Kapitalismus " auch nach dieser Seite hinim Mittelpunkte unseres Interesses steht.

Für die Beantwortung der Frage nach den Grundlagen deskapitalistischen Geistes genügt die Feststellung: daß es jedenfallsbesondere Bourgeoisnaturen (eine Kreuzung von Anternehmer-und Bürgernaturen) gibt; Menschen also, deren Veranlagungsie disponiert, kapitalistischen Geist rascher zu entwickeln als