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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Fünfzehntes Kapitel: Bourgeoisnaturen 265

andere, wenn eine äußere Veranlassung, ein äußerer Reiz aufsie einwirkt; die alsdann die Strebungen des kapitalistischen Anternehmers eher und intensiver zu den ihrigen machen, diedie bürgerlichen Tugenden bereitwilliger annehmen; die die ökono-mischen Fähigkeiten leichter und vollständiger sich aneignen alsandere, heterogene Naturen. Wobei natürlich ein unermeßlichgroßer Spielraum bleibt Mischen Anternehmer- und Bürger-genies und solchen Naturen, die für alles kapitalistische Wesengänzlich verloren sind.

Wir müssen uns aber zum Bewußtsein bringen, daß dasProblem, dessen Aufhellung wir uns hier widmen, sich nichtdamit erschöpft: ob einzelne Individuen bourgeoisbegabt sindoder nicht. Daß hinter dieser Frage vielmehr eine andere,wichtigere aufsteht: wie sich in größeren Menschengruppen (denhistorischen Völkern) die Bourgeoisnaturen vertreten finden:ob sie in den einen etwa zahlreicher als in den anderen sind,ob wir deshalb, da wir ja die Entwicklung des kapitalistischen Geistes als Massenerscheinung erklären wollen, Völkermit größerer oder geringerer Begabung für den Kapitalismusunterscheiden können, und ob sich diese volkliche Veranlagunggleich bleibt oder im Laufe der Zeit und wodurch - ver-ändern kann. Erst wenn wir auch diese Frage, deren Erörterungdas folgende Kapitel gewidmet ist, noch beantwortet haben,können wir ein begründetes Arteil über die biologischen Grund-lagen des kapitalistischen Geistes abgeben.