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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Sechzehntes Kapitel: Die Veranlagung der Völker

Äie Erwägungen, die wir im vorhergehenden Kapitel an-gestellt haben, haben uns überzeugt, daß jeder Betätigungkapitalistischen Geistes eine natürliche, im Blute begründetebesondere Veranlagung entsprechen muß.

Der Äberblick über die tatsächliche Entwicklung, die derkapitalistische Geist während der europäischen Geschichtsepocheerlebt hat, hat uns zu der Einsicht geführt, daß sich bei allenVölkern diese Entwicklung vollzogen hat, daß sie aber bei denverschiedenen Völkern einen verschiedenen Verlauf genommenhat, sei es, daß der Stärkegrad verschieden war, sei es, daß sichdie verschiedenen Bestandteile des kapitalistischen Geistes inverschiedenem Mischungsverhältnis vorfanden.

Daraus müssen wir den Schluß ziehen, daß also:

1. alle Völker Europas zum Kapitalismus veranlagt,

2. die verschiedenen Völker verschieden veranlagt sind.Was genauer betrachtet diesen Tatbestand ausdrückt: wenn

wir sagen: ein Volk ist veranlagt, so bedeutet das: daß sichin dem Volke eine entsprechend große Anzahl von Menschen-typen (Varianten) vorfindet, die ihrerseits die Veranlagung,um die es sich handelt, besitzen.

Ansere eben gemachte Feststellung besagt also:

1. ,Alle Völker sind für den Kapitalismus veranlagt , heißt:in den Völkern Europas haben sich im Verlauf ihrer Ge-schichte eine hinreichende Anzahl kapitalistischer Varianten (wiewir abgekürzt sagen können für: Varianten, die geeignet waren,kapitalistischen Geist zu entfalten) vorgefunden, um denKapitalismus überhaupt zur Entwicklung zu bringen.

2. ,Die Völker sind verschieden veranlagt' heißt:

a) sie weisen in einer gegebenen Bevölkerungsmenge ver-schieden viele kapitalistische Varianten auf: derenProzentsatz",