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Zweiter Abschnitt: Die sittlichen Mächte
„Ich bestrebte mich . . einfach und mäßig zu leben, weit entferntvon dem gewöhnlichen Luxus der Großen" (I, 3);
„von Apollonius lernte ich . . mit Bedachtsamkeit, doch ohneWankelmut, auf nichts Rücksicht zu nehmen, als auf die gesundeVernunft" (I, 8);
„weiter danke ich den Göttern, daß ich nicht zu große Fortschrittein der Rede- und Dichtkunst (die nach der Ansicht der Stoiker nichtdem Ernst und der strengen Wahrheitsliebe entsprechen), noch auchin anderen solchen Wissenschaften, die mich fönst leicht gänzlich ge-fesselt haben könnten" (I, 17);
„laßt die Bücher, die Zerstreuung, es fehlt dir die Zeit" (II, 2);
„die Seele des Menschen . . schändet sich . . wenn sie bei ihrenHandlungen und Bestrebungen kein Ziel verfolgt, sondern unbesonnenihr Tun dem Zufall überläßt, während die Pflicht gebietet, selbstdie unbedeutendsten Dinge auf einen Zweck zu beziehen" (II, 16);
„für den Guten (bleibt) nur das übrig, daß er zu allem, wasihm als Pflicht erscheint, die Vernunft zu seiner Führerin habe"(III, 16);
„des Nutzens wegen ist die Natur gezwungen, so zu verfahren,wie sie es tut" (IV, 9);
„hast du Vernunft? Ja. Warum gebrauchst du sie dennnicht? Denn wenn du sie schalten läßt, was willst du noch mehr?"(IV, 13).
„Wenn du des Morgens nicht gern aufstehen magst, so denke:ich erwache, um als Mensch zu wirken. Warum sollte ich mitAnWillen das tun, wozu ich geschaffen und in die Welt geschicktbin? Bin ich denn geboren, im warmen Bette liegen zu bleiben? —.Aber das ist angenehmer.' — Du bist also zum Vergnügen geboren,nicht zur Tätigkeit, zur Arbeit? Siehst du nicht, wie die Pflanzen,die Sperlinge, die Ameisen, die Spinnen, die Bienen (IW. wörtlichso bei Albertil) jedes ihr Geschäft verrichten und nach ihremVermögen der Harmonie der Welt dienen? And du weigerst dich,deine Pflicht als Mensch zu tun, eilst nicht zu deiner natürlichenBestimmung? .Aber man muß doch auch ausruhen?' Freilichmuß man das. Indes hat auch hierin die Natur eine bestimmteGrenze gesetzt, wie sie im Essen und Trinken eine solche gesetzt hat.Du aber überschreitest diese Schranke, du gehst über das Bedürfnis