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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Siebzehntes Kapitel: Die Philosophie

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hinaus. Nicht so in den Äußerungen deiner Tätigkeit; hier bleibstdu hinter dem Möglichen zurück. Du liebst dich eben selbst nicht,sonst würdest du auch deine Natur und das, was sie will, lieben.Diejenigen, welche ihr -Handwerk lieben, arbeiten sich dabei ab, ver-gessen das Bad und die Mahlzeit. Du aber achtest deine Naturweniger hoch, als der Erzgießer seine Bildformen, der Tänzer seineSprünge, der Geizhals sein Geld, der Ehrgeizige sein bißchen Ruhm?Auch diese versagen sich den Gegenständen ihrer Leidenschaft zu Liebeher Nahrung und Schlaf, als daß sie die Vermehrung dessen unter-lassen, was für sie so anziehend ist" (V, 1);

beim Reden muß man acht haben auf die Ausdrücke und beiden Handlungen auf die Erfolge. Bei den Handlungen muß mansogleich zusehen, auf welchen Zweck sie hinzielen, und bei den Wortenprüfen, welches ihr Sinn ist" (VII, 4);

niemand wird müde, seinen Nutzen zu suchen; Nutzenaber gewährt uns eine naturgemäße Tätigkeit. Werde also nichtmüde, deinen Nutzen zu suchen" (VII, 74);

du mußt in dein ganzes Leben, wie in jede einzelne HandlungOrdnung bringen" (VIII, 32);

unterdrücke die bloße Einbildung; hemme die Leidenschaft; dämpfedie Begierde; erhalte die königliche Vernunft bei der Herrschaft übersich selbst" (IX, 7);

warum genügt es dir nicht, diese kurze Lebenszeit geziemendhinzubringen? Warum versäumst du Zeit und Gelegenheit?"(X, 31);

handle nicht aufs Geratewohl, nicht ohne Zweck" (XII, 20).

Viele dieser Sätze des wahrhast kaiserlichen Philosophenlesen sich wie Äbersetzungen aus den Familienbüchern Albertis.Sie könnten aber auch in William Penns Früchten derEinsamkeit" stehen und würden selbst den TugendschriftenBenjamin Franklins zur Zierde gereichen.

Die Lebensphilosophie der Alten mußte unseren Florentinernnun aber darum noch ganz besonders lieb und wert sein, weil sieauch für ihr Gewinnstreben die vortrefflichsten Nechtfertigungs-gründe beizubringen wußte. Was zum Beispiel der feinsinnige