Achtzehntes Kapitel: Die Bedeutung d, Religion f. d. Menschen usw, 295
wenn derselbe Mann sein »1-ivrs äe ksison« mit den Wortenbeginnt: „Im Namen des Vaters, des Sohnes und des KeiligenGeistes. Die hochheilige Dreieinigkeit sei gebenedeiet, angebetetund gelobet in alle Ewigkeit^")" - so wars ihm Ernst mit derAnrufung Gottes. Die Äberantwortung des ganzen Geschäftesan Gott war noch keine leere Phrase geworden wie in unsererZeit, in der das rudimentäre „Mit Gott " im Anfang unsererKontobücher wie eine Blasphemie anmutet.
Für eine leichte und unmittelbare Einwirkuug auf das Seelen-leben und damit die gesamte Willensrichtung und die aus ihrfolgende Lebensgestaltung des Gläubigen stand der katholischenKirche als wirksamstes Mittel die Ohrenbeichte zur Verfügung,die seit dem Beschlusse der vierten Lateransynode im Jahre 1215jedem Erwachsenen mindestens einmal im Jahre zur Pflicht ge-macht worden war. Wir dürfen annehmen, daß die Geschäfts-leute sich in der Beichte mit dem Vertreter der Kirchenlehreauch über die Grundsätze ihrer Geschäftsführung gleichsam ver-ständigten (soweit es nicht außerhalb dieser heiligen Handlunggeschah). Am die Geistlichen, die die Beichte abnahmen, in denStand zu setzen, allen Bedenken der Gläubigen gerecht zuwerden, wurden die vielen moraltheologischen Entscheidungsbüchergeschrieben, die unter dem Namen der Summae tneolo^icaebekannt sind, und in denen für jede, auch die kleinste Angelegen-heit des Lebens, nicht zuletzt für das Benehmen in wirtschaft-lichen Dingen der Kirchenlehre entsprechende Verhaltungs-maßregeln kasuistisch erörtert und aufgestellt wurden. DieseSummen bilden deshalb für uns eine der wichtigsten Quelleneinerseits zur Erkenntnis des Seinsollenden (nach kirchlicherMeinung), andererseits des Seienden (das wir zwischen denZeilen lesen müssen). Wir werden ihnen im 19. Kapitel häufigbegegnen.