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Zweiter Abschnitt: Die sittlichen Mächte
2. Die Protestanten
Daß in allen protestantischen Ländern während der beidenJahrhunderte nach der Reformation ein außergewöhnlich starkesreligiöses Gefühl die Völker beherrschte, ist eine zu bekannteTatsache, als daß es nötig wäre, dafür eigens Belege bei-zubringen. Nur darauf möchte ich das Augenmerk des Lesersrichten, daß die Stärke dieses religiösen Gefühls ihren Höhe-punkt erreichte (außer in einzelnen Teilen der Schweiz ) indemjenigen Lande, in dem wir am Ende des 17. Jahrhundertseine besonders schnelle und durchdringende Entfaltung des kapi-talistischen Geistes wahrnehmen konnten: in Schottland . Daman von dem Grade der Leidenschaftlichkeit und des Wahnes,mit dem man in dem Schottland des 17. Jahrhunderts diereligiösen Werte schätzte und pflegte, sich ohne genauere Kenntnisder Einzelheiten keine rechte Vorstellung machen kann, so willich eine kurze Schilderung von der Seelenverfassung geben, inder sich die Schotten während jener Zeit befanden: man wirdleicht die überragend große Bedeutung daraus abnehmen können,die für diese Leute die Lehre der Kirche haben mußte — mochtees sich handeln um welches Lebensgebiet immer. Die ammeisten umfassende Sammlung von Quellenstellen, aus denenwir den Geisteszustand des schottischen Volkes im 17. Jahr-hundert zu erkennen vermögen, hat, soviel ich weiß, Thom.Buckle in seiner Geschichte der Zivilisation in England imvierten Kapitel des zweiten Bandes zusammengebracht. Ichteile daraus einige Proben mit, ohne sie einzeln zu belegen,indem ich den Leser auf die außerordentlich gewissenhaften An-führungen und Stellenvermerke Buckles verweise: genug, daßkeine einzige Tatsache mitgeteilt ist, deren Richtigkeit nicht genau„quellenmäßig" festgestellt werden könnte.
Die religiöse Smncsrichtung der Bevölkerung fand ihren Aus-druck zunächst in dem Eifer, mit dem sie sich den religiösen Äbungen