Achtzehntes Kapitel: Die Bedeutung d. Religion f. d, Menschen usw. 297
Hingaben: davon werde ich in einem anderen Zusammenhange nochzu berichten haben. Sodann aber auch in der knechtischen Unter-werfung unter das Machtwort der Prediger. Die Geistlichen mischtensich in jedermanns Privatverhältnisse, ordneten an, wie er es mitseiner Familie halten solle und besichtigten von Zeit zu Zeit den.Haushalt persönlich. Ihre Günstlinge, die Ältesten, waren überall:jedes Kirchspiel war in Aussichtsbezirkc geteilt, denen je ein Ältestervorstand. Äier hatte er Kontrolle zu üben. Außerdem waren Spioneaufgestellt. Nicht nur die Straßen, selbst die Privathäuser wurdendurchsucht; man sah nach, ob jemand während der Kirchzeit zu Kausegeblieben war und die Predigt versäumt hatte. And allen diesenKontrollierungen fügte man sich, ohne zu murren. Die Autoritätder Priester galt als unbeschränkt. Sie hatten sie dadurch zu er-zeugen gewußt, daß sie ihre Körcr glauben machten, was von derKanzel gesprochen werde, komme unmittelbar von Gott . Die Predigergalten als Abgesandte Gottes: sie waren die auserwählten Pfeile inGottes Kocher.
Der Furcht vor dem Priester entsprach die Furcht vor Dämonen.Man glaubte allgemein, böse Geister schwärmten über die Erde,zögen hin und wider, lebten auch in der Lust und hätten das Ge-schäft, die Menschen zu versuchen und ihnen Leides zuzufügen. IhreZahl war endlos. An ihrer Spitze stand Satan selbst, und dieserfand sein Vergnügen daran, in Person zu erscheinen und jeden zuumstricken und zu erschrecken, den er antraf. Zu diesem Zweckenahm er verschiedene Gestalten an. Zuweilen besuchte er die Erdeals ein schwarzer Kund, ein andermal als ein Rabe usw. SeineTeufeleien waren endlos, denn nach der Ansicht der Gottesgelehrtenwurde er immer verschlagener, je älter er wurde; und nach einemStudium von 5000 Jahren hatte er jetzt eine unvergleichliche Ge-schicklichkeit erlangt. Die Geistlichkeit predigte fortwährend über ihnund bereitete ihre Zuhörer auf eine Zusammenkunft mit ihrem großenFeinde vor. Dadurch wurde das Volk fast rasend vor Furcht. So oftder Prediger Satan erwähnte, seufzte und stöhnte die Gemeinde.Oft saßen die Leute vor Schrecken erstarrt und betäubt auf ihrenSitzen. Schreckbilder erfüllten ihre Seele, folgten ihnen überall hin,begleiteten sie bei ihrer täglichen Arbeit. Äberall glaubte man denTeufel zu sehen.