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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Zweiter Abschnitt: Die sittlichen Mächte

And die Schauder vermehrten sich bei dem Gedanken an diefurchtbaren Äöllenstrafen, mit denen die Prediger drohten. MitBehagen erzählten diese ihren Zuhörern, wie sie bei großen Feuerngebraten und an ihren Zungen ausgehängt, wie sie mit Skorpionengegeißelt, wie sie in siedendes öl und geschmolzenes Blei geworfenwerden würden. Ein Fluß von Feuer und Schwefel breiter als dieErde harre ihrer; ihre Knochen, ihre Lungen, ihre Leber würdengesotten, aber nie verzehrt werden. Zu gleicher Zeit würden Würmersie anfressen und während diese an ihrem Leibe nagten, würden sievon Teufeln umringt sein, die ihrer spotteten. Eine Kvlle folge aufdie andere. Der Allmächtige habe seine Muße in früherer Zeitdamit hingebracht, diesen Ort der Qualen einzurichten und fertig zumachen, um ihn beim Erscheinen des Menschengeschlechts zu dessenAufnahme bereit zu haben.

Der Gott der Kalvin und der John Knox war ein furcht-barer Gott, ein Gott des Schreckens, ein Wüterich, und dieSeelenstimmung, in die die Prediger ihre Gemeinde versetzten,war die der beständigen Angst. Aus dieser aber erwuchs dersehnliche Wunsch: sein Leben den Vorschriften der Kirche gemäßeinzurichten. And das ist es, was uns hier angeht, wo wirdie überragende Bedeutung der Religion für den Menschen,also auch den Wirtschaftsmenschen der früheren Zeit, erkennenwollen. Kein Zweifel: diese Bedeutung hatte sich für dieMenschen in den protestantischen oder wenigstens doch denkalvinistischen Ländern während des 17. Jahrhunderts noch weitüber das frühere Maß hinaus gesteigert. Religion war Wahn-sinn geworden und hatte den Menschen alle Besinnung geraubt.Das ersehen wir ja schon aus der sonst unbegreiflichen Tat-sache, daß die Prädestinationslehre die Wirkung hatte, alleKalvinisten zu einem streng kirchlichen Leben zu führen. Währenddie schlichte Logik des gesunden Menschenverstandes sich sagenmuß, daß, wenn es von meinem Willen und Verhaltengänzlich unabhängig ist, ob ich selig oder verdammt werde,