Achtzehntes Kapitel: Die Bedeutung d. Religion f, d, Menschen usw. 299
ich auch mein Leben nach meinem Wohlgefallen einrichtenkann, und daß ich dadurch an meinem Schicksal in der Ewigkeitnichts ändere. Aber es handelte sich nicht mehr um geistiggesunde Menschen, sondern um Irre.
Die Ansichten der Geistlichkeit über das richtige Leben derGläubigen wurden von jedem bedeutenden Kalvinistenprediger indickleibigen Traktaten, in England den sogenannten »OirectorieL«niedergelegt, die etwa ^ als Sammlungen kasuistischer Ent-scheidungen — den katholischen Summen entsprechen. In ihnennimmt die Wirtschaftsethik einen breiten Raum ein.
3. Die Juden
Wenn wir den Einfluß der Religion auf die Gestaltungdes kapitalistischen Geistes verfolgen wollen, versteht es sich vonselbst, daß wir den Einfluß der jüdischen Religion einer ge-sonderten Betrachtung unterziehen, hier also zunächst feststellen,daß in frühkapitalistischer Zeit die Religion auch bei den Judeneine überragende Bedeutung gehabt hat und damit wegweisendfür alle Lebensordnung geworden ist. Auch bei den Juden:vor allem bei den Juden, kann man getrost sagen. Dashabe ich in meinem Judenbuche ausführlich nachgewiesen, so daßich den Leser darauf verweisen kann ^°). Des Zusammenhangeswegen setze ich hier die wesentlichen Ergebnisse hin, zu denenich bei meinen Untersuchungen gelangt bin, und die selbst vonmeinen jüdischen Herren Kritikern in ihrer Richtigkeit nicht an-gezweifelt worden sind.
Die Religion mußte bei den Juden schon darum einen sogroßen Einfluß auf die gesamte Lebensgestaltung gewinnen,weil sie ja bei ihnen nicht nur eine Angelegenheit der Sonntageund der Feste war, sondern das Alltagsleben bis in die kleinstenVerrichtungen hinein durchdrang. Alle Lebensverhältnisse er-hielten ihre religiöse Weihe. Bei jedem Tun und Lassen wurde