ZY8 Zweiter Abschnitt: Die sittlichen Mächte
das Bedenken und zwingt ihn zu unausgesetzter Äberlegung;sie macht ihn, würden wir sagen, seiner Handlungen bewußt:ihr allein ist die Rationalisierung und Methodisierung desLebens zu danken^).
Wollen wir nun die Bedeutung der katholischen Religionfür die Ausbildung des kapitalistischen Geistes ermitteln, somüssen wir uns klar machen, daß schon dieser Grundidee derRationalisierung eine wesentliche Förderung kapitalistischenDenkens entspringen mußte, das ja, wie wir wissen, selbst einrationales, zweckgerichtetes ist. Die Erwerbsidee sowohl wieder ökonomische Rationalismus bedeuten ja im Grunde garnichts anderes als die Anwendung der Lebensregeln, die dieReligion im allgemeinen gab, auf das Wirtschaftsleben. Damitder Kapitalismus sich entfalten konnte, mußten dem naturalen,dem triebhaften Menschen erst alle Knochen im Leibe gebrochenwerden, mußte erst ein spezifisch rational gestalteter Seelen-Mechanismus an die Stelle des urwüchsigen, originalen Lebensgesetzt werden, mußte erst gleichsam eine Amkehrung aller Lebens-bewertung und Lebensbedenkung eintreten. Der komo cssii-talisticug ist das künstliche und kunstvolle Gebilde, das aus dieserAmkehrung schließlich hervorgegangen ist. Was auch immerspontan zur Herausbildung eines ökonomischen Rationalismusgeführt haben mag: daß dieser in der Glaubenslehre der Kirche,die für das ganze Leben nichts anderes erstrebte, als was derkapitalistische Geist für das Wirtschaftsleben bewirken sollte,eine mächtige Stütze fand, wird nicht in Zweifel gezogen werdendürfen. Selbst wenn die wirtschaftliche Welt ihren Einflußauf die Gestaltung der kirchlichen Ethik ausgeübt haben sollte(ein Problem, das wir im Verlaufe dieser Darstellung nochgenauer zu untersuchen haben werden), so würde der ökonomischeRationalismus doch wiederum eine Versteifung und Verinner-lichung haben erfahren müssen durch die Mithilfe eines zu