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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Neunzehntes Kapitel: Der Katholizismus

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höchster Vollendung ausgebauten Systems von Vernunftregeln,das zudem die höchste Autorität der Kirche als Anterlage mit-bekam.

Am wieviel größer mußte die Wirkung dieser Lehren auf dieWirtschaftsgesinnung der neuen Menschen sein, wenn durch sie,wie es tatsächlich der Fall war, besondere Seelenzustände er-zeugt wurden, die dem Wachstum des kapitalistischen Geistesihrem Wesen nach förderlich waren. Ich denke vor allem an dieZurückdämmung der erotischen Triebe, die sich ja diechristliche Ethik so sehr angelegen sein ließ^). Niemand hattiefer wie S. Thomas erkannt, daß die bürgerlichen Tugendennur gedeihen können, wo das Liebesleben des Menschen seineEinschränkung erfahren hat. Er wußte, daßVerschwendung",diese Todfeindin aller Bürgerlichkeit, meist Kand in Äand miteiner freien Auffassung in Liebesdingen gehtVerschwender"hier,Verschwender" dort^); daß der luxuria dieWollust und Aufwand ursprünglich in einem ist die Zula,die Prasserei, entspringt: sine Lerere et Libero iri'Zet Venus.Darum wußte er auch, daß, wer keusch und mäßig lebt, derSünde der Verschwendung (prociiAalitas) schwerer verfällt, auchsonst sich als ein besserer Äaushälter erweist. Daß der enthaltsamLebende auch der tatkräftigere Unternehmer sein muß, verstehtsich von selbst.

Ist so mit der Erziehung zur Mäßigkeit in Venere, LsLLNoet Lerere gleichsam der Grund gelegt, so wird die Gewöhnungan ein geordnetes bürgerliches Leben: einHaushalten" auchmit Äab und Gut leichter fallen. Daß der Mensch aber auchin diesen Dingen ein wohlgeordnetes Leben führe, verlangt diechristliche Ethik durchaus.

Die eigentliche ökonomische Tugend ist bei den Scholastikerndie liberalitss: das rechte, vernünftige Haushalten, dasjuste milieu der Lebensführung, das den beiden Extremen (die