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Zweiter Abschnitt: Die sittlichen Mächte
Worauf sie in ihrer Tugendlehre den größten Nachdruck legen,wozu sie immer und immer wieder ermähnen, ist die Durch-dringung des ganzen Wesens mit Spannkrast und Frische.Nichts verdammen sie so sehr wie geistige und moralische„Schlappheit": die aciäis, jene Modekrankheit des Trecento, vonder wir durch Petrarca so genau unterrichtet sind, ist eineTodsünde. And ein großer Teil ihrer Morallehre liest sich wieVorschriften für eine Art von seelischem Training. Die beidenKardinaltugenden, die dieses Erziehungswerk vollbringen sollen,sind die Klugheit und die Stärke, die Quellen oder der Aus-druck der geistigen und der moralischen Energie.
Die Klugheit (pruäentia), diese geistige Tugend (virtus intellectualis),schließt nach S. Thomas^) folgende untergeordnete Tugendenin sich:
das Gedächtnis (memoria praeteritorum),den Verstand (intelli^entia prÄesentiuni),die Erfindsamkeit (sollertia in consiciergnäis luturis eventibus),die vernünftige Überlegung (ratiocinativ conkerens unum alter!),die Gelehrigkeit (clocilitas per quarn aliquig acczuie8cit sententissmaiorum),
die Vorausschau (proviclentia: importat. . provicientia respectum
quenclam alicuiu8 ciistantis sei quvci ea quae in praesenti
occurunt orclinancla 8unt),die Umsicht (circumLpectio . . necessÄria . .: ut scilicet nomo
icl quocl oräinatur in kinem comparet etiam cum nis quae
circumswnt),die Vorsicht (cautio).
Der Klugheit, die als Tugend erstrebenswert ist, stehen als Laster,die zu meiden sind, gegenüber:die Anklugheit (impruäentia),die Äberstürziheit (praecipitatio),die Anbedachtsamkeit (inconsiäeratio),die Nachlässigkeit (ne^IiZentia).
Anton in u s^s»), der sich vor allem auch über das spezifisch--geistige Laster ausläßt: die aciclia, die wir etwa mit unserem Worte