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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Neunzehntes Kapitel: Der Katholizismus

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Schlappheit am besten bezeichnen können, fuhrt als Laster, die sämtlichdieser Todsünde wiederum ihr Dasein verdanken, an:die Nachlässigkeit (neZIiAentia ^ peccatum quc> voluntas estremissa aci eli^enäum actum clebitum ve! circumstantiamcirca actum clebitum observari),die Trägheit (clesiciia),

die Unbeständigkeit (inconstantia: instabilitatem voluntatis im-

portal),den Stumpfsinn (torpor),die Unterlassung (omissio),die Faulheit (piAritia),den Müßiggang (c>tic>sit3s),

die Unklugheit (impruclentw: ille impruclens clicitur, qui ncmclili^enter observat circumstantias in operibus 8uis; secl interomnes circumstaniias nobilissima est circumstantw temporisc>UÄM impruclens ne^Ii^it odserv^re).Alle diese Laster wiederum folgen aus der »luxuria«: aus derGenußsucht im allgemeinen, aus der ungezügelten Betätigung dererotischen Neigungen insbesondere: die vollendete Klugheit wie jedegeistige Tugend besteht in der Eindämmung der sinnlichen Triebe ^°°).

Es liegt auf der Kand, welche überragend große Bedeutungdiese Lehre von den geistigen Tugenden, diese Vorschriften, die,wie ich es nannte, ein geistiges Training zum Zwecke hatten,für den angehenden kapitalistischen Unternehmer haben mußten.Wenn auch gewiß die Kirchenlehrer nicht in erster Linie andiesen gedacht haben, so war er doch der erste, für den dieseTugenden der geistigen Energie auch einen praktischen Wert be-kamen. Es sind ja geradezu die Eigenschaften des guten underfolgreichen Unternehmers, die hier als Tugenden gepriesenund mit der ganzen Autorität der Kirche gezüchtet wurden.Eine Preisaufgabe des Inhalts:wie erziehe ich den triebhaftenund genußfrohen Seigneur einerseits, den stumpfsinnigen undschlappen Handwerker andererseits zum kapitalistischen Unter-nehmer?" hätte keine bessere Lösung zutage fördern können, alssie schon in der Ethik der Thomisten enthalten war.