Neunzehntes Kapitel: Der Katholizismus Z15
kleineren Kirchenlichter. Aber es gilt wahrhastig nicht von denGroßen. Von der Erhabenheit des Werkes des Ä. Thomasselbst sprach ich schon. Aber nicht seine Monumentalität istes, was ich hier (für den, der es auch nur flüchtig kennt, gewißunnützerweise) hervorheben wollte. Ich wollte nur auf denFehler hinweisen, der so oft begangen wird, daß man Thomasvon Aquino ohne weiteres dem „Mittelalter " zurechnet undganz vergißt, daß er doch immerhin in einem Jahrhundert lebteund schrieb, das für das Land, in dem er wirkte, schon denAnfang der neuen Zeit bedeutete. Aber mag man Thomasvon Aquino selbst ganz und gar in das vorkapitalistische Zeit-alter verweisen: die Männer, die nach ihm über christliche Ethikschrieben, standen schon im vollen Lichte der kapitalistischen Entwicklung. Das gilt vor allem von Antoninus vonFlorenz , der 1389 geboren wurde und 1439 starb; das giltvon seinem Zeitgenossen Bernhard von Siena ; das giltvon dem Kommentator des Ä. Thomas, dem KardinalCaietanus, der 1469 starb; das gilt von Chrys. Iavellusund vielen anderen. And nicht nur die Zeit, in der dieseMänner lebten, auch ihre Persönlichkeiten sprechen dafür, daßsie weder weltfremd noch weltfeindlich waren, daß sie ins-besondere die wirtschaftliche Revolution, die sich vor ihrenAugen vollzog, begriffen, und nicht gewillt waren, dem rollendenRade in die Speichen zu fallen. Sie stehen dem Kapitalismusmit unendlich viel größerer Sachkunde und mit unendlich vielgrößerer Sympathie gegenüber als etwa im 17. Jahrhundertdie zelotischen Verkünder des Puritanismus. Welch eine Füllepraktischen Wissens steckt in der Summa des Antoninus I Dasist das Werk eines der lebenskundigsten Männer seiner Zeit,der offenen Blicks durch die Straßen von Florenz ging, demkeiner von den Tausenden geschäftlicher Pfiffe und Kniffe seinerlieben Landsleute verborgen blieb, der im Transportversicherungs -