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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Neunzehntes Kapitel: Der Katholizismus

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unmittelbar durch Gewinn und Verlust an der Anter-nehmung beteiligt sein. Äält er sich im Hintergründe, fehlt ihmder Wagemut, derUnternehmungsgeist", will er sein Geldnicht riskieren, dann soll er auch keinen Gewinn machen. Alsoauch wenn jemand ein fest verzinsliches Darlehn zu produk-tiven Zwecken gibt, ohne auch den eventuellen Verlust zu tragen,so ist der Zins unstatthaft. (Es ist daraus ersichtlich, daß dievon einigen versuchte Gegenüberstellung von Produktivkreditund Konsumtivkredit sGestattung des Zinses dort, Verbot hier^dem Sinn der scholastischen Gewinnlehre nicht gerecht wird.)

Eine Aktiengesellschaft könnte also keine Obligationen auf-nehmen; ein Bankdepot darf nicht verzinst werden""); dasDarlehn an einen Handwerker, dessen Stammsumme Vertrags-mäßig sichergestellt ist, ist unstatthaft"^); ein Gesellschaftsvertragist nur erlaubt, wenn alle Sozien auch am Verluste teilnehmen"'").

Man merkt den frommen Männern an, wie sie auf alleWeise die Anternehmungslust anstacheln möchten: die »inäustrm«ist es, die sie durch die Gestattung eines Gewinns belohnenwollen: sie ist die Quelle des Kapitalprofits. Das Geld alleinist freilich unfruchtbar; aber die »inäustna«, der Anternehmungs-geist, befruchtet es, so daß es nun einen rechtmäßigen Gewinnabwirft"'").

Wir wissen, daß die Scholastiker nichts so verpönen wie dieAntätigkeit. Das leuchtet auch aus ihrer Profit- und Zinslehrehervor: derjenige, der bloß Geld auf Zinsen leiht, ohne selbstals Unternehmer tätig zu sein, ist faul: er soll auch keinenLohn in Gestalt von Zins erhalten. Deshalb ist, wie wir sehen,die Verzinsung auch desjenigen Darlehns verboten, das zu pro-duktiven Zwecken verwandt, wenn andere die produktive Tätig-keit ausüben. Sehr charakteristisch ist eine Stelle beiAntoninus,wo er darauf hinweist, daß die Nobili, die nicht arbeitenwollen, ihr Geld andern ins Geschäft geben, ohne auch nur

Sombart , Der Bourgeois 2l