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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Zwanzigstes Kapitel: Der Protestantismus

Der Protestantismus bedeutet zunächst auf der ganzen Linieeine ernste Gefahr für den Kapitalismus und insbesondere diekapitalistische Wirtschaftsgesinnung. Das konnte ja auch garnicht anders sein. Der Kapitalismus ist doch wie man ihnauch immer betrachten und bewerten möge aus Weltlichkeitund Diesseitigkeit zusammengefügt, und deshalb wird er immerum so mehr Anhänger finden, je mehr der Blick der Menschenauf die Freuden dieser Erde gerichtet ist, und deshalb wirder immer gehaßt und verdammt werden von Menschen, denendie Jrdischkeit nur als Vorbereitung auf ein Leben im Jenseitsgilt. Jede Vertiefung des religiösen Gefühls muß eine In-differenz gegenüber allen wirtschaftlichen Dingen erzeugen, undIndifferenz gegenüber dem wirtschaftlichen Erfolge bedeutetSchwächung und Zersetzung des kapitalistischen Geistes. Danun aber die Bewegung der Reformation zweifellos eine Ver-innerlichung des Menschen und eine Verstärkung des metaphysischenBedürfnisses in ihrem Gefolge hatte, so mußten die kapitalistischen Interessen zunächst einmal Schaden leiden in dem Maße, wiesich der Geist der Reformation verbreitete.

Beim Luthertum wurde diese anti-kapitalistische Stimmungnoch verstärkt durch die massiv eigenwirtschaftlich-handwerkerlicheGesinnung Luthers selber, der in seiner Wirtschaftsphilosophieweit hinter den Thomismus zurückging. And wir können ohneviel Bedenken sagen, daß in den Ländern, in denen das Luther-tum zur Herrschaft gelangt, die Einwirkung der Religion aufdas Wirtschaftsleben soweit sie überhaupt stattfand ganzsicher nicht in einer Förderung, sondern ganz gewiß eher ineiner Hemmung der kapitalistischen Tendenz auslief.

Aber auch dort, wo die andern Richtungen des Protestantis-mus : insbesondere also wo der Kalvinismus den Sieg davon-

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