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Zweiter Abschnitt: Die sittlichen Mächte
trugen, wird man zunächst eine starke Feindschaft der Kirchegegen den Kapitalismus und seinen Geist feststellen müssenund wird zu der Annahme gedrängt werden, daß das neueBekenntnis für die Entfaltung des kapitalistischen Geistes invieler Beziehung eher schädlich als nützlich gewesen ist.
Da man heute sich gewöhnt hat, im Kalvinismus und zumalin seiner englisch -schottischen Spielart, dem Puriranismus, schlecht-hin einen Beförderer des kapitalistischen Geistes, wenn nicht garseinen Erzeuger, zu erblicken, so wird es nötig sein, daß ich dieanti-kapitalistischen Tendenzen, die der kalvinistisch-puritanischenEthik innewohnten, etwas ausführlicher darlege. Ich beziehemich dabei ausschließlich auf englisch -schottische Quellen, da manja für Großbritannien eine besonders starke Förderung desKapitalismus durch den Puritanismus annimmt.
Zunächst und vor allem tritt in der puritanischen Ethik dasfrühchristliche Armutsideal wieder viel mehr in den Vorder-grund. Die Bewertung des Reichtums und damit aller Erwerbs-tätigkeit nähert sich wieder mehr dem Evangelium und die Ab-neigung gegen den irdischen Besitz ist viel stärker als bei denScholastikern. Grundsätzlich vertritt der Puritanismus dieselbeAnsicht wie der Thomismus: Reichtum und Armut sind fürdas Keil der Seele beide gleich belanglos. Aber während wirbei den Thomisten eine Hinneigung zum Reichtum bemerkten,finden wir umgekehrt bei den Puritanern eine stärkere Sympathiefür die Armut. Der Verstand der Ethiker beider Richtungenerklärt die beiden Zustände für indifferent, das Äerz derScholastiker ist eher beim Reichtum, das der Puritaner eherbei der Armut. So sind die Stellen, in denen in BaxtersDirectory der Reichtum verdammt wird, in denen auf seineGefahren und auf seine Nutzlosigkeit hingewiesen wird, zahl-reicher als in irgendeiner thomistischen Summa. Ich führe einpaar dieser Stellen an: