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Zweiter Abschnitt: Die sittlichen Mächte
für ernste Gedanken; die „Welt" raubt ihnen die Zeit, die Gottund ihren Seelen gebührt, die Zeit, in der sie „beten, lesen,meditieren oder ein Gespräch über heilige Dinge führen sollten^).
And wirklich haben die Menschen, namentlich in Schottland ,dieser Hochburg des Puritanismus, lange Zeit diesen Lehrengemäß gelebt. Das heißt sie haben den größten Teil ihresLebens in der Kirche oder mit Vorbereitungen für den Gottes-dienst verbracht. Sonnabend, Sonntag und Montag wurden«alles das gilt vornehmlich fürs 17. Jahrhundert) die Märkteverboten. Wochentags fanden täglich früh und abends Gebete inder Kirche statt; gepredigt wurde zwei- bis dreimal in derWoche; im Jahre 1650 wurde jeden Nachmittag eine Vorlesungveranstaltet. 1653 waren bei Austeilung des Abendmahlsfolgendermaßen die Wochentage besetzt: Mittwoch Fasten undacht Stunden Gebete und Predigten; Sonnabend zwei oder dreiPredigten; Sonntag: zwölf Stunden Gottesdienst in der Kirche;Montag drei oder vier Predigten^).
Aus jedem Worte, aus jeder Handlung der frommen Puri-taner jener Zeit spricht eine so starke Weltflüchtigkeit, wie sie frühernur einzelne Sekten zur Schau getragen hatten. And wenn wirtrotzdem annehmen wollen, daß der Puritanismus nicht geradezueine Vernichtung alles kapitalistischen Geistes mit sich gebrachthat, so müssen wir glauben, daß er mit anderen Äußerungenseines Wesens — wenn auch ungewollte — dem Kapitalismusgünstige Wirkungen ausgeübt habe. Das ist denn auch wohltatsächlich der Fall. And zwar erblicke ich den Dienst, den derPuritanismus gewiß ohne Absicht seinem Todfeinde, demKapitalismus, geleistet hat, in der Tatsache, daß er die Grund-sätze der thomistischen Ethik wieder mit voller, neu entfachterLeidenschaftlichkeit und in teilweise schärferer und einseitigererFassung vertrat.
Mit aller Entschiedenheit fordert die puritanische Ethik