Zwanzigstes Kapitel: Der Protestantismus
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wiederum die Nationalisierung und Methodisierungdes Lebens, die Unterdrückung der Triebe, die Llmbildungdes kreatürlichen Menschen in den Vernunftmenschen: „Nehmtnichts und tut nichts, nur weil das Gefühl oder die Lust es somöchten, sondern nur, weil ihr einen vernünftigen Grund habt,so zu handeln." Dieser Gedanke wird in tausendfacher Formmit ermüdender Breite bei Baxter immer wiederholt^"). DieÄauptsünden (master sin) sind wieder: Sinnlichkeit, Fleischeslustoder Üppigkeit (sensualit^, ilesn-pIessmA or voluptoousness).Gut zusammengefaßt finden wir die Grundgedanken der purita-nischen Ethik in dem Traktat desJsaacBarrow,Ok Inciustr^,wo es heißt °»°):
„Wir sollen gemäß strengen Gesetzen regieren und regulieren:alle Fähigkeiten unserer Seele, alle Glieder unseres Körpers, alleinneren Vorgänge und äußeren Handlungen; so daß wir unsereNeigungen zähmen, unsere Gelüste bändigen und unsere Leidenschaftenordnen; so daß wir unsere Kerzen bewahren vor eitlen Gedankenund schlechten Wünschen; so daß wir unsere Zungen hüten vorüblen und nichtigen Reden; so daß wir unsere Schritte auf denrechten Weg lenken, und nicht nach rechts, nicht nach links ab-weichen."
Es mag zugegeben werden, daß in der etwas anderen dog-matischen Verankerung dieses obersten Postulates der rationalen,antikreatürlichen Lebensführung, wie sie bei den verschiedenenRichtungen des nicht lutherischen Protestantismus beliebt wurde,eine Verstärkung des Antriebs zur Befolgung jener Vorschriftenliegen konnte. Danach galt es, durch die Bewährung in einemspezifisch gearteten, von dem Lebensstil des „natürlichen" Menschenunzweideutig verschiedenen Wandel den „Gnadenstand" garan-tiert zu bekommen. Daraus folgte dann, wie Max Weber uns ausführlich dargelegt hat, für den einzelnen das Bedürfniszur methodischen Kontrolle seines Gnadenstandes in der Lebens-führung. Dieser dadurch geschaffene besondere Lebensstil be-