zzy Zweiter Abschnitt: Die sittlichen Mächte
deutete eine „an Gottes Willen orientierte rationale Gestaltungdes ganzen Daseins". Aber ob dem gewöhnlichen Menschendiese dogmatische Finesse immer zum Bewußtsein gekommen ist?Für ihn war doch das Entscheidende: der Priester (Gott ) befiehltdiese bestimmte Art der Lebensführung, die wir als „rationali-sierte" bezeichnen, die aber dem Gläubigen sich in nichts anderemals einer Summe von Vorschriften darstellte. And er folgtedem Gebote des Priesters (Gottes) in dem Maße, wie ergottesfürchtig war. And daß auch die frommen Katholiken sichmit einer unausgesetzten Selbstkontrolle quälten (und quälensolltenI) haben wir selbst feststellen können. Da nun der In-halt der Vorschriften im Thomismus und Puritanismus wort-wörtlich derselbe ist, so würde eine etwas genauere Befolgungund somit eine stärkere Rationalisierung und Methodisierungder Lebensführung bei den Puritanern aus nichts anderem zuerklären sein als aus dem gesteigerten religiösen Gefühl derMenschen des 17. Jahrhunderts.
Wortwörtlich gleich mit den thomistischen Lehrsätzen lautenauch alle einzelnen Ermahnungen der puritanischenEthik zu einem wohlgeordneten Lebenswandel: die bürgerlichenTugenden, die sie verkündet, sind genau dieselben, wie wir siebei den Scholastikern gefeiert haben:
1. Betriebsamkeit: inäustry^). Sie ist von Gott gewollt;zwar kommen alle Gaben von Gott; aber Gott will, daß wirsie erarbeiten: deshalb müssen wir inäustrious sein: das ist derleitende Gedanke der Schrift des Isaac Barrow , der seineBelegstellen fast alle dem Alten Testament entnimmt. „Sollenwir allein müßig gehen, da alle Kreatur so fleißig ist"^):denselben Satz haben wir bei Antoninus auch schon gefunden.„Müßiggang ist aller Laster Anfang": gilt hier wie dort alsselbstverständlich^).
2. Beschäftigung mit nützlichen Dingen wird gefordert: