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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Zweiter Abschnitt: Die sittlichen Mächte

Scholastiker feststellen müssen. Will man diesen Unterschied ineinem Wort ausdrücken, so kann man sagen: der Protestantis-mus tilgt alle Spuren eines künstlerischen Bedürfnisses nachsinnlicher Größe und Pracht aus. Es macht die unvergleich-liche Schönheit der thomistischen Gedankenwelt aus, daß sie amletzten Ende aus einem tief künstlerisch empfindenden Gemütegeboren ist. Noch spüren wir den himmlischen Geist augustinischerLebensbetrachtung in ihr. Ich erinnere an das, was unsS. Thomas über die Schönheit der Harmonie in Welt undMenschen sagt: zum Charakter des Schönen oder Wohl-anständigen trägt bei der Glanz und das gebührende Verhältnisnach Dionysius (4 cie ciiv. nom.), der da sagt:Gott istschön als die Arsache der Harmonie im All und des Glanzes".Deshalb besteht die Schönheit des Körpers darin, daß erGlieder besitzt, die in sich und untereinander in gutem Verhältnisstehen, und daß die Farbe eine gewisse gebührende Stelle hat.And ähnlich besteht die geistige Schönheit darin, daß das Be-nehmen und das Tun des Menschen durch ein gutes Verhältnisgemessen sei gemäß dem geistigen Glänze der Vernunft. Des-halb nennt Augustinus (83 qu. 30) das Ehrbare einegeistigeSchönheit".

Dieses künstlerische Empfinden drückt sich dann aus in derAnerkenntnis einer Tugend von hohem Range, die in keinerprotestantischen Ethik mehr Platz hat: der maZnikiLentis derPrachtliebe also. NsAniticentiÄ ist das Streben, etwasGroß-artiges und Prachtvolles zu wirken". Dabei wird in ersterLinie an die Kirche und das Gemeinwesen gedacht, an öffent-lichen Luxus. In bestimmten Fällen gilt die Prachtliebe aberauch der eigenen Person: wie bei dem, was nur einmal vorkommt,z. B. bei Hochzeiten, oder bei dem, was Dauer hat, z. B. beider Wohnung! Der besondere Wesenscharakter der Pracht-liebe richtet sich auf das Großartige im Kunstwerk^).