Zwanzigstes Kapitel: Der Protestantismus ZZZ
Ein solcher Sinn für das Prachtvolle war freilich denProtestanten abhanden gekommen. NsAnificentia hatte in ihremLehrgebäude keinen Platz mehr, das eben der nüchternen, kalten,weißgetünchten, allen Bilderschmucks beraubten^") Kirchen-scheune glich, wie sie an die Stelle des erhabenen gothischenDomes trat, durch dessen bunte Fenster die warme Sonne ihreStrahlen wirft.
Die Äaupttugend in der puritanischen Ethik wurde das Gegen-spiel der msAnificentm, das die Scholastiker als schwere Sündeverdammt hatten: die parvificentia, die Knauserei.
„Knauser heißt jemand, weil seine Absicht darauf geht, etwasKleinliches zu machen . . Der Prachtliebende will zuerst die Größedes Werkes, und dann gibt er acht auf die Größe der Ausgaben,die er um des Werkes willen nicht vermeidet. Der Knauser abergibt zuerst acht darauf, wie die Ausgaben recht gering werden,.damit er so wenig wie möglich verwende', und erst aus Grunddessen will er das beabsichtigte Werk, wenn es nämlich nicht zu vielkostet"
In der Entwicklung der Sparsamkeit (parsimonm) zurKnickrigkeit (parvikiLentiz) liegt vielleicht das größte Verdienst,das sich die puritanische und quäkerische Ethik um den Kapitalis-mus, soweit in ihm Bürgergeist lebt, erworben haben.
Oder will man dem Fallenlassen des Zinsverbots eine größereBedeutung beilegen? Wir sahen aber, daß gerade dieses Ver-bot einen der stärksten Antriebe zur Entfaltung des kapitalistischen Geistes geboten hatte. Ich glaube, daß in der Praxis dieseveränderte Auffassung der Moraltheologen in der Wucherfragevöllig belanglos gewesen ist.
Nun möchte ich doch aber ausdrücklich auch noch sagen, wo-für man die puritanische und quäkerische Ethik nicht verant-wortlich machen kann:
1. Ganz gewiß nicht für die Begründung und Entwicklung