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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Zweiter Abschnitt: Die sittlichen Mächte

der bürgerlichen Tugenden schlechthin: die waren da ein paarhundert Jahre, ehe es Puritanismus gab: wir fanden sie inden Familienbüchern Albertis bereits in aller Vollständigkeit.Soweit also ein Neligionssystem an ihrer Entstehung schuld ist,ist es das katholische. Die protestantische Ethik konnte nichtstun als übernehmen, was der Thomismus geschaffen hatte.

2. Aber auch für die schrankenlose Entfaltung des Erwerbs-triebes, für das sinnlose Geldmachen, für die Geschäftsidiosyn-krafie, die wir als ein Merkmal des hochkapitalistischen Geistesfeststellen konnten, möchte ich den Puritanismus nicht verant-wortlich machen. Wir sahen, wie der puritanische Sittenpredigerim Grunde seines Äerzens allem Erwerbsstreben abhold war.Immer aber, auch insoweit er das Trachten nach Gewinn undden Reichtum selbst gelten läßt, geschieht es doch mit der still-schweigenden oder ausdrücklichen Einschränkung: Gewinnstrebenund Erwerb dürfen nie Selbstzweck werden. Sie können ihreRechtfertigung nur finden in einer gottgefälligen Verwendungdes Reichtums und sind nur erlaubt, soweit sie dem Seelen-heile des Unternehmers keinen Schaden tun. Auch hier kehrenzum Teil in denselben Wendungen die Gedanken der Schola-stiker wieder. Ihr dürft dem Erwerbe nachgehen, ist der hundert-mal wiederholte Grundsatz bei Baxter , wenn ihr den er-worbenen Reichtum dazu verwendet, Gutes zu tun: Gutesheißt aber: Gott und seinen Dienern spenden, die Armen unter-stützen, dem Gemeinwohl dienen: »in tne 8ervice ok Ooä, inbenesicence to our neiZnbour, in aävsncinA publick Moä« ^).

3. Gewiß hat die puritanische Ethik auch nicht den rücksichts-losen Erwerb verschuldet. Sie unterscheidet sich auch darin innichts von der thomistischen Geschäftsmoral, daß sie wie diesenur den Erwerb mit anständigen Mitteln gutheißt.Was einMann auf ehrenhafte Weise erwirbt, das verdient Lob"^).Ja, sie vertritt, wie diese, im Grunde noch immer die Idee