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Zweiter Abschnitt: Die sittlichen Mächte
von der Macht der wirtschaftlichen Verhältnisse abgerungenund abgezwungen worden. Wie sehr er seinem innerenWesen nach dem Kapitalismus abhold war, haben wir gesehen.Am liebsten hätten die puritanischen Prediger des 16. undfrühen 17. Jahrhunderts den ganzen Mammonsdienst in Grundund Boden gewettert und hätten an seiner Stelle eine bäuer-lich-handwerksmäßige Wirtschaftsverfassung gesetzt, die einen vielpassenderen Nahmen für ihre antiweltlichen Lehren abgegebenhätte. Aber es war zu spät. Sie konnten unmöglich, wie es dasLuthertum in dem wirtschaftlich darniederliegenden Deutschland tat, die Anfänge und Fortschritte des Kapitalismus einfachignorieren. Wahrscheinlich schweren Herzens erkannten siedessen Dasein an und suchten nun, ihn, so gut es ging, mitihren religiösen Anschauungen zu versöhnen. Wie sehr das sieumgebende Wirtschaftsleben ihre Lehren bestimmte, ersehenwir aus der eigentümlichen Form, in der sie diese vortrugen;es ist bekannt, daß sie vielfach Vorstellungen des Wirtschafts-lebens ihrer Zeit in ihre Darstellung der Äeilswahrheiten hin-übernahmen. So, wenn der „Äeilige" über seine Sünden Buchführt, sie als Kapital und Zinsen unterscheidet, so daß „dieHeiligung des Lebens so fast den Charakter eines Geschäfts-betriebes annehmen kann."
„Auch Baxter (Lsintg evalastinA rest. c. XII) erläutertGottes Ansichtbarkeit durch die Bemerkung: Wie man im Wegeder Korrespondenz gewinnbringenden Äandel mit einem nichtgesehenen Fremden treiben könne, so könne man auch durcheinen .seligen Handel' mit dem unsichtbaren Gott die .eineköstliche Perle' erwerben. Diese kommerziellen anstatt der beiden älteren Moralisten und im Luthertum üblichen forensischenGleichnisse sind recht charakteristisch für den Puritanismus, derim Effekt eben den Menschen selbst seine Seligkeit .erhandeln'läßt" ^-).