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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Zweiundzwanzigstes Kapitel: Der Anteil der sittlichen Mächte usw. ZZ7

Betrachtung kommen kann, wenn man diese Verschiedenheitennicht anerkennt, zeigen die Worte, mit denen Franz Kellerseine glückliche Auseinandersetzung mit mir und meinen frühervorgetragenen Ansichten abschließt:

Das Entscheidende für den Ursprung des Kapitalismus istnicht jene Ansammlung großer Reichtümer in einzelnen Känden,sondern jener Fonds sittlicher Kräfte, die in der Anternehmer-Verantwortlichkeit ihre höchste wirtschaftliche Ausgestaltungfinden. Die sittlichen Kräfte sind das Produkt einer langenErziehung und bilden dann im Volke die Grundlage fürdas Vertragssystem, auf dem sich die Unternehmertätigkeitaufbaut."

Diese Worte enthalten einen durchaus richtigen Kern, abersie verkennen die Vielgestaltigkeit des Problems, das inFrage steht.

Erstens ist (was hier nicht in Betracht kommt) für die Ent-stehung des Kapitalismus (als eines Wirtschaftssystems)sowohl die Ansammlung großer Vermögen als die Heraus-bildung eines kapitalistischen Geistes als noch manches andereentscheidend'. Niemals können Wirtschaftsformen aus sitt-lichen Bestrebungen irgendwelcher Art entspringen. Gegendieses Mißverständnis hat sich schon Max Weber mit Ent-schiedenheit gewendet, als man ihm unterschieben wollte, erhabe den gesamten Kapitalismus aus religiösen Motiven ab-zuleiten versucht^).

Aber wenn wir auch nur an denGeist" im Wirtschafts-leben denken: an die Wirtschaftsgesinnung in ihrem allgemeinstenVerstände, so wissen wir, denke ich, nunmehr, daß dieser kapi-talistische Geist ein buntes Gemisch von Seelenzuständen ver-schiedenartigsten Charakters darstellt, von denen nur einige Be-standteile einer Beeinflussung durch sittliche Mächte ihrer Naturnach zugänglich sind, wie ich sagte, also anerzogen werden