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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Dreiundzwanzigstes Kapitel: Der Staat

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Man übertreibt kaum, wenn man sagt, daß der Militärdienstmehr als irgendein anderer (I) Einfluß das industrielleDeutschland macht. Unternehmer und Arbeiter sind zusammendurch ihn gegangen; sie haben in derselben Schule gelernt undsie verstehen beide gleich, daß Ordnung für jede organisierteKraft, sie sei nun industriell oder militärisch, wesentlich ist" ^).

Daß auch hier wieder Blutsveranlagung und historischesSchicksal im Verhältnis der Wechselwirkung stehen, wie wir esbei anderen Erscheinungen bereits feststellen konnten, begreiftsich von selbst.

Als der moderne Staat sein .Heerwesen zur Entwicklungbrachte, da ist es gewiß niemanden! der führenden Männer inden Sinn gekommen, daß mit dieser neuen Einrichtung undgroßenteils durch sie ein Bevölkerungselement in die Äöhe ge-tragen wurde, das bestimmt sein sollte, wie ein Sprengstoff indem Gemäuer des alten Staates zu wirken: die Juden. Ichhabe in meinem Judenbuche ausführlich dargestellt, wie sie eswaren, die den Fürsten namentlich seit dem 17. Jahr-hundert die nötigen Gelder für die Kriegsführung verschafften,sei es auf dem Wege persönlicher Darleihung, sei es durchVermittlung der Börse, an deren Aufbau sie so stark beteiligtsind; habe aber auch gezeigt, welche hervorragende Rolle dieJuden als Äeereslieferanten, das heißt bei der Besorgung vonLebensmitteln, Kleidung, Waffen für die Äeereskörper gespielthaben. Durch diese Beihilfen wurden sie aber nicht nur reich,sondern sie verbesserten auch sozial ihre Stellung im Lande, sodaß wir das moderne Heerwesen in einem recht beträchtlichenAmfange für die spätere Emanzipation der Juden verantwort-lich machen können, damit also auch für die Verbreitung des denJuden eigentümlichen kapitalistischen Geistes in der modernen Welt.

Mit diesem Gedanken habe ich schon auf ein zweites Spezial-gebiet staatlicher Verwaltung hinübergegriffen, nämlich

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