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Dritter Abschnitt: Die sozialen Umstände
Andererseits brachte es ihre Stellung als Keterodoxe mit sich,daß sie ihre ökonomischen Fähigkeiten stärker entwickeln mußten,weil naturgemäß für sie die Erwerbsgelegenheiten sich schwierigergestalteten. Nur die peinlichste Gewissenhaftigkeit, nur die gerissensteRechenhaftigkeit, nur die weitestgehende Anpassung an die Bedürf-nisse der Kundschaft versprachen ihnen einen geschäftlichen Erfolg.Verfolgt und verdächtigt, schreibt B enoit von den Hugenotten ;wie hätten sie sich anders behaupten können, als durch „die Weis-heit ihres Verhaltens und durch ihre Ehrenhaftigkeit" (par lasgZe8se leurs moeurs et psr leur konnetete).
Naheliegend war es auch, daß diese Häretiker in der Zeitdes beginnenden Kapitalismus sich gerade den kapitalistischen Unternehmungen mit besonderem Eifer widmeten, da ja diesedie meisten Erfolge versprachen, die sicherste Äandhabe boten,um zu Reichtum und dadurch zu Ansehen zu gelangen. Deshalbfinden wir sie in jenen kritischen Zeiten, also vornehmlich vom16. bis 18. Jahrhundert überall an erster Stelle als Bankiers,als Großkaufleute, als Industrielle. „Äandel und Wandel",„tne Iraäe", wurden von ihnen geradezu beherrscht. DieseZusammenhänge haben die besten Beurteiler schon währendjener Jahrhunderte richtig erkannt. Die Spanier sagten schlecht-hin: die Ketzerei befördert den Äandelsgeist.
And ein hellsichtiger Mann wie William Petty fälltüber die Bedeutung der „Ketzerei" für die Entfaltung deskapitalistischen Geistes folgendes interessante Arteil ^°): „DerÄandel liegt in allen Staaten und unter jeder Regierung inden Äänden der heterodoxen Partei und solcher, die eine andereals die öffentlich anerkannte Meinung vertreten; also in Indien,wo die mohammedanische Religion anerkannt ist, sind die Hindus(tlie Lanians) die bedeutendsten Kaufleute. Im türkischen Reichdie Juden und Christen. In Venedig, Neapel, Livorno, Genua und Lissabon die Juden und Nichtpäpstlichen Selbst in