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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Dreiundzwanzigstes Kapitel: Der Staat

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Frankreich sind die Hugenotten verhältnismäßig viel stärkerim Handel vertreten, während in Irland , wo die katholischeReligion nicht vom Staate anerkannt ist, die Anhänger dieserReligion einen großen Teil des Handels in den Händen haben.Woraus folgt, daß der Handelsgeist nicht mit irgend-welcher Religion als solcher verknüpft ist, sondern wievorher schon gesagt wurde mit der Heterodoxie als Ganzes,wie auch das Beispiel aller großen englischen Handelsstädte be-stätigt" (Irao'e is not kixeci to sn^ Species ok keliZion ss sucli;dut ratner . . . to tne rleterociox pari ok tne vvnole).

Ähnlichen Arteilen, inbesondere auch über die Bedeutungder l>IonLontormists für die Entwicklung von Handel undIndustrie in Großbritannien , begegnen wir häufiger^").

Daß diese Beobachtungen, wie sie uns diese Männer mit-teilen, richtig waren, lehrt uns ein Blick in die Wirtschafts-geschichte jener Zeit. Wir sind besonders gut unterrichtet überdie Verhältnisse in Frankreich durch die Intendanturberichte, dienach der Aufhebung des Edikts von Nantes vom Könige ein-gefordert wurden und die Boulainvilliers gesammelt undim Auszuge mitgeteilt hat^). Daraus ersieht man, daß in derTat der vielleicht größte Teil der kapitalistischen Industrie unddes Überseehandels in den Händen der Reformierten lag (oderbis zu jener für Frankreich so überaus kritischen Zeit gelegenhatte). Die Eisenarbeiten in Sedan, die Papierfabrikation inAuvergne, in Angoumois , in der Generalite von Bordeaux, dieLohgerbereien in Touraine , die mit den englischen wetteiferten,waren ausschließlich in ihren Händen; in der Normandie,Maine und Bretagne ,hatten sie fast den meisten Anteil an denblühenden Leinwandwebereien"; in Tours und Lyon an derFabrikation von Seide, Samt und Taffet; in Languedoc,Provence, Dauphinee, Champagne an der Wollindustrie, in derGeneralite von Paris an der Spitzenanfertigung usw.